Friedrich Schiller - Schiller & Marbach


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Marbach am Neckar ist "Schiller"-Stadt

Schon zu seinen Lebzeiten, vor allem aber im 19. Jahrhundert, hat Schiller eine ungeheure Popularität erlangt, die bis heute andauert. Es verwundert nicht, dass man in seiner Geburtsstadt besonders stolz auf den "Dichterfürsten" war und schon früh begonnen hat, sein Andenken zu bewahren. Charakteristisch war und ist bis heute, dass dieses Gedenken von breiten Schichten der Bevölkerung getragen wird. Nicht zu Unrecht wird deshalb häufig vom "Marbacher Schillerkult" gesprochen.

Diese Verehrung äußert sich in verschiedenen Formen, die auf die innige Beziehung zu dem Dichter verweisen und einzigartig sind:

Marbacher Schillerwoche

Alljährlich wird die Woche im November, in die Schillers Geburtstag fällt, als "Schillerwoche" festlich begangen. In zahlreichen Veranstaltungen, die zum Teil eine mehr als hundert Jahre alte Tradition haben und längst ein lieb gewordenes Ritual sind, wird am Geburtstag des großen Sohnes der Stadt gedacht. Die Schulen beteiligen sich mit Lesungen, Aufführungen und nicht zuletzt mit dem bekannten Blumengruß der Grundschüler an Schillers Denkmal. Die Vereine gestalten mit Musik, Gesang und szenischen Aufführungen die Huldigung vor dem Geburtshaus. Handel und Gewerbe richten den verkaufsoffenen Schillersonntag aus.

Schillerrede und Schillerpreis

Höhepunkte der Festwoche sind die Verleihung des mit 5.000 Euro dotierten Schillerpreises der Stadt Marbach am Neckar, die seit 1959 alle zwei Jahre erfolgt, und die Schillerrede, zu der die Deutsche Schillergesellschaft jedes Jahr eine bekannte Persönlichkeit einlädt. Dazu gehörten in der Vergangenheit Jutta Limbach, Johannes Rau und Richard von Weizsäcker.

Diese Beispiele zeigen, wie sehr Friedrich Schiller auch heute im Bewusstsein der Menschen in Marbach gegenwärtig ist. Die Ursprünge der Schillerverehrung gehen aber viel weiter zurück:


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Die Ursprünge der Schillerverehrung

Die Identifikation der Marbacher Bürgerschaft mit Schiller hat schon 1835 zur Gründung des "Vereins für Schillers Denkmal" geführt. Seine ursprüngliche Aufgabe war die Errichtung eines Schiller-Denkmals in würdiger Umgebung. Dazu wurde in den Jahren bis 1840 in Gemeinschaftsarbeit der Marbacher Bürgerschaft ein ehemaliger Steinbruch zum Park umgestaltet, die heutige Schillerhöhe. Dies würde man in heutiger Zeit als beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement bezeichnen.

Der Marbacher Schillerverein

Nachdem sich die Errichtung des Denkmals verzögerte und erst im Jahr 1876 mit Unterstützung des Deutschen Kaisers verwirklicht werden konnte, hat der "Verein für Schillers Denkmal" seine Aufgabenstellung erweitert und sich zum "Marbacher Schillerverein" umbenannt.

Zweck des Vereins ist seither die Pflege des Andenkens an Schiller im Allgemeinen und die Erhaltung des Schiller-Geburtshauses im Besonderen. Dieses Haus konnte 1857 durch den Schillerverein erworben werden und wurde am 10. November 1859 - zum einhundertsten Geburtstag Schillers - als Gedächtnisstätte der Öffentlichkeit übergeben. Es ist bis heute eine der wichtigsten Attraktionen Marbachs und zählt jährlich ca. 25.000 Besucher. Zum Schillerjahr 2009 zeigt es eine neue Dauerausstellung.

Die Entwicklung Marbachs zur Literaturstadt

Die räumliche Enge des Schiller-Geburtshauses war letztlich Ursache für eine Entwicklung, die Marbach bis heute prägt: die Gründung der Literaturmuseen und des Deutschen Literaturarchivs.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bestand der starke Wunsch, Schiller auch in seinem Heimatland Württemberg eine angemessene Gedenkstätte zu errichten. Der damalige König Wilhelm II. von Württemberg entschied, dass das geplante "Schiller-Museum" nach Marbach kommen sollte. Da das Geburtshaus dafür viel zu klein war, musste ein Neubau errichtet werden. Als Standort wurde der Park auf der Marbacher Schillerhöhe festgelegt.

1903: Schiller-Nationalmuseum

Mit der Einweihung des Schiller-Museums im Jahre 1903 hat eine Entwicklung begonnen, die bis heute nicht abgeschlossen ist:

Das neue Museum war von seiner Aufgabenstellung her kein reines Marbacher Museum mehr. Es sollte eine Gedenkstätte für Schiller und seine schwäbischen Dichterkollegen sein, also eine Art "schwäbisches Literaturmuseum". Die Trägerschaft für eine solche überörtliche Einrichtung konnte nicht mehr beim lokalen Marbacher Schillerverein liegen. Vielmehr wurde dazu schon 1895 der Schwäbische Schillerverein neu gegründet, der von Beginn an Mitglieder aus ganz Deutschland hatte. Voller Stolz bezeichnet er sich auch heute noch als Bürgerverein.

Wegen seiner gestiegenen Bedeutung wurde das Museum 1922 in "Schiller-Nationalmuseum" umbenannt. Die ständige Erweiterung der Sammlungen hat schließlich dazu geführt, dass das Gebäude 1934 erweitert wurde. Der nächste Entwicklungsschritt erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg.

1946: Deutsche Schillergesellschaft

Der Trägerverein des Schiller-Nationalmuseums hat sich 1946 den neuen Namen "Deutsche Schillergesellschaft" gegeben, den er auch heute noch führt. In diesem Namen kommt zum Ausdruck, dass der Verein ursprünglich Träger von Einrichtungen mit nationaler Bedeutung war, die heute sogar Weltruf genießen.


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1955: Deutsches Literaturarchiv Marbach

Nachdem klar wurde, dass die deutsche Teilung kein vorübergehender Zustand sein würde, hat man sich in der jungen Bundesrepublik Deutschland entschieden, ein eigenes Archiv für deutsche Literatur zu schaffen. Es sollte in gewisser Weise ein Gegenstück oder auch eine Ergänzung zu Weimar sein. Mit dieser neuen Aufgabe wurde die Deutsche Schillergesellschaft betraut. Die Gründung des Deutschen Literaturarchivs erfolgte 1955.

Es war damals wohl kaum vorhersehbar, welche Auswirkungen diese Entscheidung auf die Deutsche Schillergesellschaft und auch auf die der Stadt Marbach am Neckar haben würde. Der Name Marbach wurde innerhalb weniger Jahrzehnte in der literarischen Welt zum Synonym für die größte Sammelstätte moderner deutschsprachiger Literatur.

Aufgrund der rasch wachsenden Sammlungsbestände wurde 1973 ein eigenes Archivgebäude errichtet, das inzwischen mehrfach ausgebaut und erweitert wurde. In den Magazinen werden heute rund 1.200 Autoren- und Gelehrtennachlässe verwahrt. Die Sammlungen umfassen rund 20 Millionen Objekte. Die literarische Fachbibliothek ist mit über 700.000 Bänden die größte im deutschen Sprachraum.

Das "Mirakel Marbach", wie es bewundernd genannt wird, ist zu einem unersetzlichen Gedächtnis der deutschsprachigen Kultur geworden und zieht Forscher und Besucher aus aller Welt an. Derzeit sind es jährlich 40 - 50.000 Gäste im Jahr.

2006: Literaturmuseum der Moderne

Um die unschätzbaren Bestände des Archivs auch der Öffentlichkeit präsentieren zu können, wurde in den Jahren 2004 - 2006 das Literaturmuseum der Moderne errichtet. Es wurde am 6. Juni 2006 durch Bundespräsident Horst Köhler eröffnet. Dieses durch seine Architektur und die Art der Präsentation einzigartige Museum ergänzt das Ensemble der Literaturstätten auf der Marbacher Schillerhöhe auf das Schönste.

2009: Wiedereröffnung des Schiller-Nationalmuseums

Nach zweijähriger Innensanierung wird am 10. November 2009 das Schiller-Nationalmuseum mit einer neuen Dauerausstellung zur Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts eröffnet. Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf der schwäbischen Dichtung. Dann wird auch das ehrwürdige Museum wieder ein attraktiver Anziehungspunkt sein.


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