Dokumentation über das Schillerjahr 2009 erschienen
Der Schillerverein Marbach am Neckar e. V. hat zusammen mit der Stadt einen Rückblick über die Veranstaltungen im Schillerjahr 2009 erstellt. Er wurde heute im Rathaus der Öffentlichkeit vorgestellt.
Auf 32 Seiten im DIN A4-Format dokumentieren Bilder und kurze Texte das Jubiläumsjahr anlässlich des 250. Geburtstags von Friedrich Schiller. In frischer Weise vermittelt sie sowohl Fülle und Vielfalt der Veranstaltungen als auch die Begeisterung und Atmosphäre, die in dem kulturellen Ausnahmejahr herrschten: „Es war eine Freude zu erleben, wie engagiert sich Vereine, Schulen, Kirchen und nicht zuletzt viele Privatleute aus Marbach schon in der Vorbereitungsphase eingebracht haben.“, hält Bürgermeister Herbert Pötzsch im Vorwort fest. Anspruch auf Vollständigkeit erhebt die Dokumentation nicht. „Das wäre bei über achtzig Veranstaltungen auch etwas vermessen“, so der Stadtschultheiß weiter. Er wünscht sich, dass das Heft bei Allen Platz finde, die der Stadt freundschaftlich verbunden seien und die die Erinnerung an das Jahr 2009 wach halten möchten.
Layout und Texte der Broschüre, die mit 500 Exemplaren aufgelegt wurde, hat der Marbacher Verleger und Autor Lorenz Obleser erstellt. Das gesamte Schillerjahr über war er bei den Veranstaltungen zugegen, um die Eindrücke mit seiner Kamera einzufangen. Unterstützt wurde er dabei von dem Marbacher Abiturienten Jonas Heilgeist und dem Fotografen Jürgen Gemmrich. Bei der Gestaltung der Seiten hat Obleser sich an das Layout des Schillerjahres angelehnt. Als Lektorin unterstützte ihn Andrea Hahn vom Literaturbüro am Cottaplatz.
Die Bilddokumentation ist ab sofort im Rathaus, Markstraße 23, in Schillers Geburtshaus, Niklastorstraße 31 und im Stadtinfoladen, Markstraße 25, erhältlich. Der Verkaufspreis beträgt drei Euro.
Bild: Ruecklblick_Schillerjahr_2009.jpg
Datum: 20.05.2010
Schön war’s – Das Marbacher Schillerjahr 2009
Die Feierlichkeiten erstreckten sich zwischen 2. Februar 2009, dem Eröffnungsakt durch Ministerpräsident Günther H. Oettinger, und dem Schillersonntag am 15. November 2009. Dazwischen lagen zahlreiche Veranstaltungen aus allen Bereichen der Kunst und Kultur. Ein Rückblick soll an dieser Stelle das gesamte Projekt zusammenfassend skizzieren.
2007. Die Zielsetzung
Mitte 2006 diskutierte der Gemeinderat erstmals über das bevorstehende Ereignis und beschloss, ein Konzept zu erstellen. In einem breiten kommunalpolitischen Diskussionsprozess wurde in den kommenden Monaten u.a. im Kulturforum und in einer Arbeitsgruppe unter der Moderation des Esslinger Kulturreferenten Dr. Peter Kastner und der Veranstaltungsmanagerin Sabine Brandes ein Konzeptrahmen erarbeitet, der im Mai 2007 vom Gemeinderat verabschiedet wurde. Unter dem Leitmotiv „Marbach … frei nach Schiller“ wurden folgende Ziele festgelegt:
- Profilschärfung für Marbach
- Einbindung der Bevölkerung
- Überregionale Aufmerksamkeit
- Qualität wie Popularität
- Originalität
- Nachhaltigkeit und Folgeeffekte
Das beachtliche Ergebnis
Ein Fest für und mit den Marbacher Bürgerinnen und Bürgern sollte das Schillerjahr 2009 werden. Durch das große Engagement der Marbacher Akteure und der Bevölkerung wurde dieses Ziel erreicht.
Nicht zuletzt durch die bundesweite Aufmerksamkeit in allen Medien fanden zahlreiche Besucher ihren Weg nach Marbach, was auch den Tourismus stärkte.
Im Schillerjahr konnten durch die zusätzlichen Mittel ungewöhnliche Veranstaltungsorte wie der Platz vor Schillers Geburtshaus und neue Veranstaltungsformen auf bekannten Plätzen wie die Schillerlaube auf dem Burgplatz entdeckt und ausprobiert werden.
Es wurde deutlich, dass sich mit attraktiven Themen gesellschaftliches Engagement mit Kreativität verbinden lässt, wie beispielsweise beim 18.-Jahrhundertfest. Eine kleine Stadt hat sich selbstbewusst mit ihrem kulturellen Erbe auseinander gesetzt und es zu einem gegenwärtigen Kulturereignis gemacht. Ein Potential auf das man auch in Zukunft aufbauen kann.
Die finanziellen Mittel des Schillerjahres wurden sowohl für eigene Veranstaltungen eingesetzt, zugleich wurden aber auch zahlreiche Aktivitäten aus der Stadt großzügig gefördert und dadurch erst ermöglicht.
Veranstaltungsrückblick I: Die Eigenproduktionen
Festliches: Der Marbacher Herzogsbesuch – Ein Fest des 18. Jahrhunderts
Ca. 25.000 Besucher an zwei Tagen, Hunderte von Gewandeten, Dutzende von Schauspielerinnen und Schauspielern, zahlreiche Stände und kein abgeschlepptes Auto. Die Bilanz des ungewöhnlichen Festes, das neue Wege beschreiten wollte, fiel mehr als positiv aus. Von den Kindergärten über die Grundschule bis hin zum Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG), vom Ballettstudio bis zur Musikschule Marbach-Bottwartal, von den Kirchen bis zur ganzen Stadtverwaltung und hin zu ungezählten Privatpersonen ließ sich fast die ganze Stadt mitreißen ein theatrales Fest auszurichten. Am Sonntag veranstaltete der Verein zur Erhaltung der Alexanderkirche e. V. anlässlich des historischen Alexandertages ein Fest in und um die Alexanderkirche. Das Entstehen einer Nähstube, die Mittelpunkt eines halbstündigen SWR-Berichtes wurde, sei hier nur exemplarisch genannt.
Experimentelles und Ungewöhnliches: Die Niklastorstraße vor Schillers Geburtshaus wurde für die Open-Air-Lesungen der Filmschauspieler Marianne Sägebrecht und Matthieu Carrière gesperrt, SWR-Hörspiele im Literaturmuseum der Moderne (LiMo) gemeinsam gehört. Schauspielerinnen aus ganz Europa forschten im Rahmen des internationalen, von der Europäischen Union geförderten Laboratoriums des Berliner Theaterzentrums AktZent der Kunst des Schillerschen Dialogs nach, und nicht nur Kinder konnten in der Sparkasse kunstvolle Original-Zeichnungen aus Schiller-Werken des Berliner Kindermann Verlages betrachten. Die Bandbreite des Programms bot für jeden Geschmack etwas, und ging unbekannte Wege.
Besondere Kooperationen: Die Kooperation mit der Hessischen Theaterakademie mit den Studiengängen Regie und Schauspiel der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst sowie dem Studiengang Dramaturgie der Johann-Wolfgang-Goethe Universität in Frankfurt am Main und dem HEIDELBERGER STÜCKEMARKT 09 hat dem Schillerjahr mit „Schiller sehen“ eine der ungewöhnlichsten Aufführungen beschert: Acht Positionen zur Gegenwart, acht dramatische Blitzlichter, die das Publikum in einem Parcours durch wechselnde Räume erlebte.
Ca. 40 Kinder der Marbacher Grundschule arbeiteten eine Woche begeistert mit dem griechischen Künstler Yorgos Sapountzis und verhüllten das Schiller-Denkmal mit ihren Bildern. Am Ende einer bunten Performance enthüllten die Kinder das Denkmal wieder. Das Projekt war eine gelungene Kooperation mit dem Mannheimer Festival „Internationale Schillertage“.
Die Verbindung von Schillerjahr und Fußball stellte die Kooperation mit dem VfB Stuttgart her, der am Samstag, 25. April 2009 u.a. die Schillerspots der Spieler Ricardo Osorio, Matthieu Delpierre und Kapitän Thomas Hitzlsperger vor dem Spiel gegen Frankfurt zeigte.
Literarisches: Zwei starke Literaturreihen mit den Europalesungen im Frühjahr und den Lesungen zum Jubiläum 20 Jahre Mauerfall konzipierte das Marbacher Literaturbüro am Cottaplatz unter dem Motto „Vom Marbacher zum Weltbürger“. Ungewöhnliche Verbindungen von Musik und Literatur waren ebenso zu entdecken wie Autorengeheimtipps, darunter der tschechische Jungstar Jaroslav Rudiš. Hinzu kamen bekannte Autoren wie Margriet de Moor, Christoph Hein und Monika Maron. Beim Marbacher Kulturdialog diskutierten international renommierte Wissenschaftler und Autoren, darunter Jan Assmann, Dieter Borchmeyer und Constantin von Barloewen, die Frage nach der Aktualität der Schillerschen Ideen.
Perspektive Schiller: Wie lebendig der Klassiker noch auf den Bühnen ist, zeigten die herausragenden Gastspiele der „Jungen Schillerwoche“. „Die Räuber“ vom Theater Heidelberg und „Wilhelm Tell“ vom Berliner Theater an der Parkaue waren ausverkaufte Höhepunkte. Die Stadthalle Schillerhöhe wurde mit „Don Carlos“ von der Württembergischen Landesbühne Esslingen eröffnet, und im Oktober zeigte das kleine Papiertheaterfestival in der Stadtbü-cherei wie facettenreich Theaterkunst sein kann.
Musikalische Erkundungen: Die Altrocker Heinz Rudolf Kunze und Purple Schulz bewiesen ihr Herz für Schiller und der Jazzpianist Jens Thomas brachte Goethes Lyrik zum phantastischen Klingen. Die Spanne reichte auch vom klassischem Lied einer Ulrike Sonntag bis zur SWR1-Party, die die neue Halle vibrieren lies.
Sommerliche Vergnügungen: Welches Potential der Burgplatz hat, bewies die erfolgreiche Schillerlaube mit Autoren und Weinen der Region, mit Musik und Literatur. Ein sommerlicher Anlaufpunkt für Touristen wie Marbacher.
Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar: Die Neuausrichtung des seit 1959 alle zwei Jahre verliehenen Preises an Persönlichkeiten, die „in beispielhafter Weise den Denktraditionen Friedrich Schillers verpflichtet sind“, an Jens Reich hat deutlich gemacht, dass ein ethisch verantwortbarer Freiheitsbegriff im Sinne des Dichters auch heute noch möglich ist.
Veranstaltungsrückblick II: Subventioniertes und Koproduktionen
Performances made in Marbach: Das Marbacher Sommertheater „Shilla“ und die Rockoper „Das Lied von Schillers Glocke“ waren zwei theatral-musikalische Höhepunkte im Schillerjahr, die von in Marbach lebenden Künstlern initiiert und realisiert wurden. Die Stadt hat dieses Engagement und die Kreativität mit namhaften Beiträgen unterstützt und dadurch einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung der Projekte geleistet.
Friedrich-Schiller-Gymnasium Marbach: „Jeden Monat ein Event“ – so ging das FSG in das Schillerjahr und hat dies Versprechen auch gehalten. Eine eindrückliche Musical-Uraufführung und eine Theateraufführung waren ebenso darunter wie die hervorragend vorbereitete politische Diskussion mit kritisch-nachfragenden Schülern. Sie unterstützten auch die Schauspieler bei „Schiller sehen“ und beim 18.-Jahrhundertfest.
Tobias-Mayer-Schule, Anne-Frank-Realschule und Marbacher Grundschule: Dass Jugendliche dem Rap nah sind ist kein Geheimnis, doch die Schüler der Tobias-Mayer-Schule und der Anne-Frank-Realschule verbanden ihn kunstvoll mit Schiller und zeigten, wie nah er uns heute auch kommen kann. Alle Jahrgänge der Grundschule beteiligten sich am Schillerjahr: mit Spielen zum 18.-Jahrhundertfest, bunten Fahnen, dem Künstlerworkshop und der Vorbereitung der Feierlichkeiten zum Schillergeburtstag.
Schillerstadt verpflichtet: Dies Motto scheint die Marbacher Aktivitäten beflügelt zu haben. Die Stadtkapelle-Musikverein Marbach am Neckar e. V. und ein Projektchor der Chorvereinigung Liederkranz Marbach und des Chorverbandes Friedrich Schiller brachten die Neubearbeitung von Beethovens 9. Sinfonie für Blasorchester und Chor zur Uraufführung. Die Kirchen boten Diskussionen und Predigtreihen zu Schillerthemen an, Vereine versuchten „ihren“ Schillerbeitrag zu finden, ob im Fußballturnier oder im Tanz des 18. Jahrhunderts, Literaten und Künstler boten Veranstaltungen an und der Stadtmarketingverein präsentierte mit den gestalteten Schillerbüchern ein phantasievolle Auseinandersetzung mit moderner Kunst.
Deutsches Literaturarchiv Marbach, Literaturmuseum der Moderne: Die Veranstaltungen der Deutschen Schillergesellschaft von der Sonderausstellung „Autopsie Schiller“. Eine literarische Untersuchung“ im LiMo über Kammerkonzerte bis hin zur Tagung zu Theaterfragen waren für das Publikum im Schillerjahr 2009 eindrückliche Beiträge.
Bild: denkmal7.JPG
Datum: 13.01.2010
Das Jubiläumsjahr in Zahlen und Fakten
Von den insgesamt über 80 Veranstaltungen zum Schillerjahr 2009 in Marbach waren 58 städtisch organisiert. Allein dafür konnten rund 37.000 Besucher registriert werden – wobei das 18. Jahrhundertfest mit seinen 25.000 Besuchern einen wichtigen Beitrag zur positiven Statistik liefert, und an den 16 Veranstaltungen der Schillerlaube waren fast 3.500 Besucher auf dem Burgplatz. Schätzungsweise waren insgesamt im Schillerjahr 50.000 bis 60.000 Veranstaltungsbesucher in Marbach.
Budget: Das Schillerjahr 2009 war mit einem Etat von 580.000 Euro ausgestattet. Davon stellte die Stadt Marbach am Neckar 250.000 Euro bereit, und 190.000 Euro kamen über Sponsoren dazu. Knapp 140.000 Euro Einnahmen ergänzten das Budget das Jahres – dies lag in etwa bei den erwarteten Zahlen.
Die Unterstützer: Sponsoren und Förderer
Als Hauptsponsoren unterstützten die EnBW und die Kreissparkasse Ludwigsburg, als Co-Sponsor die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim das gesamte Schillerjahr 2009 in Marbach. Weiterhin wurden die Veranstaltungen mit einem namhaften Betrag von der Stiftung Kunst, Kultur und Bildung der Kreissparkasse Ludwigsburg gefördert. Die Stuttgarter Zeitung und die Marbacher Zeitung begleiteten das Jubiläumsjahr als Medienpartner. Sponsoren und Förderer einzelner Veranstaltungen bzw. Reihen waren die Landesstiftung Baden-Württemberg, die BBP Kunststoffwerk Marbach Baier GmbH, die Hainbuch Spannende Technik GmbH, die Daimler AG und die Stiftungen der Landesbank Baden-Württemberg. Außerdem unterstützen die Feierlichkeiten die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG sowie die Stiftung für Kunst und Wissenschaft der Hypo Real Estate Bank International AG.
ReserviX-Ticketsystem: Im Schillerjahr hat die Stadt Marbach das ReserviX-Ticketsystem eingeführt, um den Besuchern einen leichteren und bequemeren Zugang zu den Eintrittskarten zu ermöglichen. Die überaus positive Resonanz der Besucher auf das Ticketsystem sowie Kartenbestellungen aus ganz Deutschland bestätigten die Entscheidung.
Sammlerstücke: Medaille und Sonderpostwertzeichen
Zu Beginn des Schillerjahres brachte die Firma Euromint Silbermedaillen und eine auf 400 Medaillen limitierte Goldserie zu Ehren des Dichters heraus. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen, sodass nach dem Ausverkauf der goldenen Exemplare zum Herbst hin weitere 1000 Goldmedaillen mit verändertem Motiv geprägt wurden. Die wertvollen Erinnerungsstücke werden über die Kreissparkasse Ludwigsburg vertrieben.
Am 12. November 2009 wurde durch das Bundesministerium der Finanzen die Sonderbriefmarke „250. Geburtstag Friedrich von Schiller“ in Marbach präsentiert. An einem Stand der Deutschen Post Philatelie war die Marke mit einem Ersttagsstempel und einer limitierten Klappkarte erhältlich.
Tourismus und Werbeeffekte: Marbach in der Welt
Marbach hat durch die zahlreichen Aktivitäten zum Schillerjahr, insbesondere auch durch die Wiedereröffnungen von Schillers Geburtshaus und dem Schiller-Nationalmuseum durch Ministerpräsident Günther Oettinger bzw. Bundespräsident Horst Köhler eine bundesweite öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Sie bot nationalen bis internationalen Medien Anlass zur Berichterstattung auch über die eigentlichen Ereignisse und Veranstaltungen hinaus. So stellte z. B. der „Stern“ Marbach in einer Reihe sehenswerter Kleinstädte in Deutschland vor. Sehr erfreulich war die ganzjährige und umfangreiche Begleitung der Feierlichkeiten in Mar-bach durch den SWR sowohl im Radio als auch im Fernsehen.
Eigene Werbemaßnahmen der Stadt konzentrierten sich vorwiegend auf Veranstaltungswerbung in der Region Stuttgart. Die einheitliche Gestaltungslinie transportierte sehr gelungen das Marbacher Anliegen und zog sich von Broschüren über die Homepage bis hin zu Fahnen und Anzeigen. Hauptwerbeträger waren neben der ausführlichen Website drei Programm-Magazine, die durch Flyer zu einzelnen Veranstaltungsreihen ergänzt wurden. Sie wurden jeweils auch an Schillerstädte in ganz Deutschland verteilt. Die Homepage des Schillerjahres soll noch einige Zeit als Rückblick im Internet zur Verfügung stehen.
Überregional wurde für das Schillerjahr in Württemberg über die Tourismusmarketing Baden-Württemberg GmbH geworben. Neben einer Veranstaltungsdatenbank im Internet und einer Anzeigenkampagne gehörte zu den Maßnahmen eine Pressereise im Frühjahr, in deren Rahmen zehn Journalisten in Marbach an einer Stadtführung teilnahmen, die neue Ausstellung im Geburtshaus und die Sonderausstellung „Autopsie Schiller. Eine literarische Untersuchung“ besichtigten.
An touristischen Kennzahlen gemessen knüpft das Schillerjahr 2009 beinahe an das Schillerjahr 2005 an. Die Stadtverwaltung zeigt sich zufrieden, war es doch nicht ohne weiteres zu erwarten, nach nur vier Jahren nochmals die Besucher in größerer Zahl zu aktivieren.
Ein ungewöhnliches Team: Die personelle Aufstellung aus einer Mischung von eigenen und externen Kräften unter der Leitung des Hauptamtsleiters, Thomas Storkenmaier, hat sich als erfolgreich erwiesen. Neben der Verpflichtung von Sabine Brandes als Künstlerische Leiterin, des Literaturbüros am Cottaplatz, einer Regisseurin und Fachkräfte für die Gestaltung und Ausstattung beim 18. Jahrhundertfest und der Werbeagentur Langenstein Communication GmbH hat auch die Verwaltung durch eine vorrübergehende Stellenaufstockung der Kulturstelle sowie durch die Einstellung eines Auszubildenden zum Kaufmann für Tourismus und Freizeit und einer Kraft im Rahmen des Freiwillig Sozialen Jahres (FSJ) – Kultur sowie mehreren Praktikanten eine Verstärkung erhalten. Besonders beim 18.-Jahrhundertfest war nahezu die gesamte Stadtverwaltung gefordert und im Einsatz. Darüber hinaus haben zahlreiche ehrenamtliche Kräfte die verschiedenen Aktivitäten unterstützt.
Eine intensive Arbeit begann, die mit der Präsentation des „Höhepunkte“-Magazins im November 2008, zum 249. Geburtstag Friedrich Schillers, ihre bis dahin erzielten Ergebnisse zeigte.
Datum: 13.01.2010
Ausblick: Machbares in Marbach
Das Schillerjahr 2009 war für die Stadt Marbach eine reizvolle Aufgabe, die Traditionen zu bewahren und sich zugleich als eine liebenswerte und den Künsten offene Stadt neu zu entdecken.
Natürlich ist das Gedenken an Friedrich Schiller eine wichtige, auch als Standortfaktor zentrale Aufgabe. Das Engagement der Bevölkerung und ihr Spaß an der Sache zeigten aber, dass das kulturelle Interesse noch erhöht werden konnte und durch die große Gemeinschaftsleistung – vor allem beim 18.-Jahrhundertfest – eine besondere Marbacher Lebensqualität deutlich wurde. Man ist auf positive Weise stolz, ist bereit auch einmal etwas Neues zu wagen und identifiziert sich mit der Schillerstadt.
Schillers Geburtshaus war immer schon ein zentraler Anlaufpunkt für Touristen in der Stadt. Die Neugestaltung verbindet nun Originaltreue mit Modernität und ordnet das Gedenken an Friedrich Schiller und damit auch Marbach in einen großen Rahmen ein. Neben Schillers Geburtshaus wird die Innensanierung und die Ausstellungsneugestaltung des Schiller-Nationalmuseums gemeinsam mit dem Literaturmuseum der Moderne zentraler Grund für einen Besuch in Marbach sein – doch die Kreativität der Stadt hat nachdrücklich deutlich gemacht, dass hier zu Recht der Mittelpunkt des Gedenkens an Friedrich Schiller ist. In diesem Sinn soll auch versucht werden, das 18.-Jahrhundertfest als Marke weiter zu entwickeln. Die wiedereröffnete Nähstube, der gegründete Handwerkerchor und der Beginn für Planungen für ein Treffen der Marbacher Gewandeten in 2010 machen dies deutlich. Vielleicht kann das gesellschaftliche Engagement in einem Verein gebündelt werden, der die Weiterentwicklung Festes vorantreibt. Sponsoren könnten dies festigen.
Ein weiteres Ziel könnte sein, Veranstaltungsformate wie die erfolgreiche Schillerlaube wieder aufzugreifen und als Sommerfestival zu etablieren. Es ist ein Angebot für Marbacher wie Touristen. Durch die Verbindung von Wein und Kultur werden nicht nur die örtlichen Künstler unterstützt, sondern auch der Kulturreichtum der Region demonstriert. Auch könnte die Idee
der Open-Air-Lesung vor Schillers Geburtshaus in das Kulturprogramm aufgenommen werden.
Die Neugestaltung des Schillerpreises der Stadt Marbach bietet die Möglichkeit, in Zukunft auch über die Landesgrenzen wahrgenommen zu werden. Dies festigt wiederum die Bedeutung in der Region. Durch die drei Museen ist auch von einem längerfristigen Aufschwung des Tourismus auszugehen, nicht zuletzt durch den neuen Anziehungspunkt Schillerhöhe mit Museen, Stadthalle, Restaurant und Park.
Datum: 12.01.2010
Literarische Symbiose wird für die Zuschauer zur Wonne
Walter Sittler und Berit Fromme haben am Samstag in der Stadthalle aus Schillers Werk gelesen.
Von Cornelia Ohst
Wenn Berit Fromme und Walter Sittler eine literarische Symbiose eingehen, ist das für den Zuhörer eine Wonne. Zu hören war dies in der Stadthalle Marbach am vergangenen Samstagabend. Da nämlich haben die beiden Schauspieler ihre Lesung, die eigens für das Marbacher Schillerjahr anlässlich des 250. Geburtstages von Friedrich Schiller arrangiert wurde, abgehalten. Unter dem Titel "Weil es die Schönheit ist, durch welche man zu der Freyheit" wandert, haben Fromme und Sittler Texte des Dichters interpretiert, wie sie in ihrer Intensität kaum zu überbieten sein dürften.
Erstklassig gesprochen von Berit Fromme, die den Texten mit leidenschaftlicher und vielgestaltiger Technik Leben einhauchte, gab der etwas unterkühlt wirkende Walter Sittler jenen Gegenspieler ab, der sich gerade in den Dialogszenen von Schillers "Maria Stuart", die im Disput mit Königin Elisabeth steht, als nährender Charakter herausstellt. "Die Texte sind auf Papier sonst so starr, aber hier wunderbar lebendig", äußert sich in der Pause eine Besucherin, die als Deutschlehrerin weiß, was Schillers Texte beim puren Lesen bewirken können. Immer wieder interessant auch Schillers Gedanken über seine Rolle als Weltenbürger, "über das Pathetische" oder in seiner Funktion als Universitäts-Professor.
Singend beginnen die beiden Künstler ihr Repertoire, bezeichnenderweise mit "Die Gedanken sind frei", unterstützt vom Percussionisten Matteo, der den Worten klangvolle Flügel verleiht. Gerade die Kombination der schillernd proklamierten Texte wie etwa "Die Bürgschaft", "Pegasus im Joche" , oder "Die Jungfrau von Orléans", bei der Fromme mit dem zur Selbstanklage verfallenen Selbstgespräch der Johanna, eine unglaubliche Berührbarkeit erzeugt, und der experimentelle Stil der musikalisch feinfühligen Untermalung durch Capreoli, verleiht dem Abend etwas Besonderes. Es trifft den Geschmack des Publikums. Dies zeigt es nämlich immer wieder spontan, als etwa Berit Frommes klangvolle Worte bei "Die Bürgschaft", mit dem pulsierenden Rhythmus eines Herzschlags begleitet werden. Dieser steigert sich im Lauf der Rezitation in der Frequenz und gibt ihr schließlich etwas Bedrängendes. Wer den Anspruch hat, im Schillerjahr deutlich zu machen, wie tief des Dichters Worte auch in den modernen Menschen eindringen können, der sah sich am Samstagabend mit der Aufführung bestätigt.
Den beiden Schauspielern ist es dabei ausdrucksvoll gelungen, nicht nur die Schönheit der schillerschen Sprache zu dokumentieren, sondern ihr Gewicht und Dynamik zu verleihen, was Aussage und Tiefenwirkung betrifft. Viel Anerkennung zollen deshalb auch die Besucher den Künstlern, die mit ihrer Leistung eine außergewöhnliche Veranstaltung geboten haben. Marion Stoffler, die extra aus Stuttgart angereist kam, freut sich, die Lesung besucht zu haben: "Eine tolle Konzeption ist das, Rezitation und Percussion. Wundervoll."
Internet: Zum Artikel (www.marbacher-zeitung.de/mbz/page/detail.php/2277886)
Quelle: Marbacher Zeitung
Bild: Walter Sittler_Foto Matthias Bothor.jpg
Datum: 16.11.2009
"Verantwortung fürs Handeln in Politik und Wissenschaft"
Der Bürgerrechtler Jens Reich hat auch wegen seiner bedeutenden Rolle beim gewaltlosen Umbruch der DDR am Dienstag den Schillerpreis erhalten. Im Jahr 1994 war er Kandidat der Grünen für das Amt des Bundespräsidenten.
Von Götz Schultheiß
Den 26. Schillerpreis der Stadt Marbach hat am Dienstagabend der Bürgerrechtler Jens Reich erhalten. Bürgermeister Herbert Pötzsch übergab die Auszeichnung einer Persönlichkeit, die sich im Sinne Schillers zur Freiheit bekenne, sich aber in Gesellschaft und Wissenschaft auch deren Grenzen bewusst sei.
Erstmals in der seit 1959 währenden Geschichte des Schillerpreises geht die Ehrung nicht an eine Persönlichkeit, die sich um die Geschichte Württembergs verdient gemacht hatte wie einst die Historiker Hansmartin Decker-Hauff und Paul Sauer.
Im Jubiläumsjahr wollte die Stadtverwaltung den Personenkreis erweitern, der in den Genuss einer Auszeichnung für Wirken im Sinne Schillers erhalten darf. Weil am Vorabend von Schillers Geburtstag in der Bundesrepublik der 20. Jahrestag des Mauerfalls gefeiert wurde, fiel die Wahl des Schillerpreisträgers leicht. Wie nur wenige andere verkörpert der Biologieprofessor Jens Reich seit Ende der 80er Jahr den friedlichen Wandel in der DDR.
Der kritische Geist, 1939 in Göttingen geboren, hat sich nie vom SED-Regime vereinnahmen lassen. Beharrlich und mit intellektueller Schärfe hat der Wissenschaftler und Co-Autor des Aufrufs "Aufbruch 89 - neues Forum" auch als Redner auf Demonstrationen und als Abgeordneter der einzigen frei gewählten Volkskammer der DDR nach den Wahlen vom 18. März 1990 den Wandel zur Demokratie wesentlich mitbewirkt. 1994 erkoren ihn Bündnis 90/Die Grünen zu ihrem Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten.
Auch als Wissenschaftler, so Pötzsch, sei Reich des Preises würdig, weil er die Auffassung vertrete, der Wissenschaftler sei für die Folgen seiner Forschung verantwortlich. Derzeit lotet er im Ethikrat die Grenzen der Stammzellenforschung aus. Die Bescheidenheit Reichs illustriert seine Reaktion, als er von Pötzsch erfuhr, er erhalte den Preis auch wegen seiner Rolle bei der Wende: "Mein Gott, das war eine Volksbewegung, ich war nur einer von vielen."
Der Journalist und Publizist Konrad Adam verwies als Laudator darauf, dass Schillers Idealisten stets auf faktisch gesichertem Boden stünden. So habe der Historiker Schiller vor seinem Drama "Don Carlos" die Untersuchung "Der Abfall der Niederlande" verfasst. Auch Reich verbinde idealistisches Handeln mit fundierter Wissenschaft. Ein Kreis von Intellektuellen wie Hans Magnus Enzensberger und Joachim Fest habe seine Kandidatur zum Bundespräsidenten unterstützt. Adam: "Sie meinten, Politik sei zu wichtig, um sie Parteisoldaten zu überlassen". Schließlich habe der Wille der Parteien obsiegt, "weil sie die Macht hatten." Adam lobte Reichs rebellischen Geist, der die SED-Führung als Pfeifen und die Mitglieder des Zentralkomitees als Esel bezeichnet hatte. Adam: "Wir kämen der Zivilgesellschaft näher, wenn wir den Politikern so respektlos begegnen würden, wie die Altdorfer dem Gessler-Hut - und Reich hätte nichts dagegen."
Gelächter auf Adams Kosten gab es, als Jens Reich in seiner Dankesrede demonstrativ von "Marbach am Neckar in Württemberg" sprach, denn Adam hatte Marbach falsch, aber konsequent, als "Marburg" bezeichnet. Im folgenden skizzierte er das Geistesleben der DDR, die Marx und Lenin auf den Olymp erhob. "Goethe", so Reich, "rangierte auf Rang drei und erhielt die Bronzemedaille, Schiller wurde schließlich noch von Martin Luther verdrängt." Den Staatsapparat habe Schiller beunruhigt, denn mit den Räubern fürchtete die Partei die Aufwiegelung der stürmischen Jugend und mit Wilhelm Tell den Aufruhr der Mitte der Gesellschaft".
Internet: Zum Artikel (www.marbacher-zeitung.de/mbz/page/detail.php/2274613)
Quelle: Marbacher Zeitung
Bild: Schillerpreisträger 2009 Jens Reich und Bürgermeister Herbert Pötzsch_Foto Werner Kuhnle.JPG
Datum: 12.11.2009
Kulturelle Bildung vermitteln - im Sinne Schillers
Nach zwei Jahren Sanierung hat Bundespräsident Horst Köhler gestern das Schiller-Nationalmuseum wiedereröffnet. Ministerpräsident Günther Oettinger will sich dafür einsetzen, dass die Übernahme des Suhrkamp-Archivs von der Landesstiftung finanziell unterstützt wird.
Von Karin Götz
Schon eine halbe Stunde bevor der Bundespräsident samt Gattin in Marbach erwartet wird, versammeln sich Bürger auf der Schillerhöhe, um einen Blick auf den Ersten Mann im Staat zu werfen und - wenn alles nach Plan läuft - auch einen Schnappschuss für das Album zu machen. Und es läuft alles nach Plan an Schillers 250. Geburtstag. Kurz vor 15 Uhr erklimmt ein gut gelaunter Horst Köhler die Stufen Richtung Stadthalle. Die Freude am und über den Termin in der Heimat ist ihm anzusehen. Denn Köhler ist in Ludwigsburg aufgewachsen. Schlag 15 Uhr beginnt das Festprogramm mit den geladenen Gästen in der Stadthalle. 1100 Anmeldungen sind eingegangen. Eine Tonübertragung in den Humboldtsaal ist organisiert.
Die obligatorische Begrüßung an diesem Nachmittag obliegt Manfred Erhardt, dem Präsidenten der Deutschen Schillergesellschaft. Und der stimmt zu Dank- und Lobeshymnen an. Beglückt nehme die Schillergesellschaft entgegen, was stellvertretend für die Bürger als Geschenk empfunden werden dürfe: Ein in neuem Glanz erstrahlendes Museum. Erbracht worden sei eine "vorzügliche und überobligatorische Leistung", betonte Erhardt mit Blick auf die Finanzierung des Projektes. "Gerade in konjunkturell schweren Zeiten ist es gut, wenn man Freunde hat." Bund, Land und Mäzene hatten sich die rund 6,2 Millionen Euro Kosten zu je einem Drittel geteilt. Dabei erinnerte Manfred Erhardt an ein Vier-Augen Gespräch, das er mit Ministerpräsident Oettinger vor drei Jahren geführt hatte. "Sie sagten zu mir: Geld dafür haben wir nicht, aber ihr Anliegen hat meine Sympathie." Außerdem habe der Landesvater ihn aufgefordert, ihn unter Druck zu setzen, indem zuerst Mäzene gefunden werden, die mindestens ein Drittel der Kosten übernehmen. Was bekanntermaßen gelungen ist.
Und um die Gunst der Stunde nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, schlug Erhardt den Bogen zu dem jüngst gelungenen Coup: Die Übernahme des Suhrkamp-Archivs sowie des von Suhrkamp übernommenen Insel-Verlags. Um diesen Jahrhundert-Erwerb tätigen zu können, wende ich mich schon wieder bittend an Sie."
Ministerpräsident Oettinger nahm den Ball wenig später in seinem Grußwort auf und überbrachte eine gute Nachricht. Er werde die Landesstiftung, deren Geschäftsführer aus diesem Grund mit nach Marbach gekommen sei, bitten, den Ankauf der Archive zu unterstützen. Das Literaturmuseum der Moderne bilde mit dem frisch sanierten Schiller-Nationalmuseum eine einheitliche Erlebniswelt, betonte Oettinger. Marbach sei nicht nur ein Mekka für Schiller-Freunde, sondern das Zuhause für deutsche Literatur und Literaturgeschichte.
Schätze der Kultur, die, so Bundespräsident Horst Köhler in seiner Ansprache, immer wieder neu für die Gegenwart erschlossen und zugänglich gemacht werden müssen. "Predigen sie nicht nur zu den Bekehrten", forderte Köhler, "versuchen Sie Programme zu entwickeln, wie Sie auch so genannte bildungsferne Kinder und Jugendliche erreichen können. Locken Sie. Begeistern Sie." Wer in dieser Weise zur kulturellen Bildung beitrage, erfülle ein Vermächtnis Schillers.
Auf den Begriff der Bildung in Abgrenzung zum Begriff der Ausbildung ging auch Autor Rüdiger Safranski in seinem Festvortrag ein. Letztere orientiere sich an der Funktion, erstere an der Person. "Bildung brauchen wir, um uns nicht selbst zu langweilen." Schillers Idee der Freiheit ziele auch auf die Umgestaltung seiner selbst. Der Mensch habe sich daran gewöhnt, der eigenen Freiheit nicht mehr zu trauen. "Die Kultur des Weg-Erklärens von Freiheit steht hoch im Kurs. Man kann erklären, dass es so hat kommen müssen und ist die Verantwortung los." Schiller, stets ein Schüler Kants geblieben, sei ein Vertreter des moderaten Idealismus gewesen. Ein Idealismus, dessen Schwäche seine Weltfremdheit sei. "Es gibt im deutschen Idealismus etwas, was ihn ohnmächtig macht gegenüber der Barbarei", so Safranski. Impulse aus der Schatzkammer des deutschen Idealismus könne unsere Gesellschaft jedoch gut gebrauchen.
Internet: Zum Artikel (www.marbacher-zeitung.de/mbz/page/detail.php/2272886)
Quelle: Marbacher Zeitung
Bild: Schiller-Nationalmuseum2.jpg
Datum: 10.11.2009
Schüler ehren Schiller
Beim Blumengruß hat sich auch der Bundespräsident gezeigt.
Von Cornelia Ohst
Es war nicht das prachtvollste Wetter, das Marbachs großem Dichterfürsten anlässlich der Feierlichkeiten zu seinem 250. Geburtstag zuteil wurde. Doch das hielt die rund 200 Grundschüler nicht davon ab, in strahlender Feierlaune Friedrich Schiller zu ehren. Beim traditionellen Blumengruß waren die Kinder von zahlreicher Prominenz umgeben. Bundespräsident Horst Köhler, Ministerpräsident Günther Oettinger, Landrat Rainer Haas und Bürgermeister Herbert Pötzsch haben den Brauch der aufwändigen Ehrung zu würdigen verstanden. Die Schüler warfen nämlich nicht nur ihre Sträuße in Richtung des Dichterdenkmals auf der Schillerhöhe, sondern nutzten die Treppe davor auch als Freilichtbühne. Die Kinder singen und zeigen Schillerszenen sowie bekannte Redewendungen. Höhepunkt des Festes war der Auftritt von Bundespräsident Horst Köhler, der gemeinsam mit den Kindern die "Ode an die Freude" gesungen hat.
Internet: Zum Artikel (www.marbacher-zeitung.de/mbz/page/detail.php/2272893)
Quelle: Marbacher Zeitung
Bild: Blumengruss der Grundschueler an Schillers Geburtstag.jpg
Datum: 10.11.2009
Geburtstagsständchen vor laufenden Fernsehkameras
Das Ständchen vor Schillers Geburtshaus im Jubiläumsjahr ist in der Landesschau übertragen worden.
Von Götz Schultheiß
Alljährlich bringen Musikverein Stadtkapelle und Chorvereinigung Liederkranz Friedrich Schiller ein Geburtstagsständchen. Zum 250. Geburtstag musizierten sie unter Leitung von Peter Pfeiffer für ein Millionenpublikum, denn der Südwestrundfunk hat das Konzert live in der Abendschau übertragen.
Deshalb haben sich die Marbacher dafür etwas besonderes vor dem Geburtshaus ihres großen Sohnes einfallen lassen: szenische Lesungen aus Briefen Schillers und seiner Zeitgenossen, darunter sein Freund Christian Gottfried Körner, vorgetragen von einigen Schülern des Friedrich-Schiller-Gymnasiums.
Die Briefpassagen für den literarischen Rahmen des speziellen Konzerts hat Dagmar Skwara, die durch mehrere Vorträge mit dem Thema vertraut war, ausgesucht. Sie hat außerdem seit September die Szenen mit den in Kostümen der Schillerzeit gewandeten Gymnasiasten geübt. In der ersten Szene zeigten die junge Leute beispielsweise, wie Schillers "Ode an die Freude" entstanden ist.
"Heute vor 250 Jahren wurde hier Friedrich Schiller geboren und es ist Tradition, dass seiner auf diese Weise mit Freuden gedacht wird", sagte Bürgermeister Herbert Pötzsch. Das Stadtoberhaupt begrüßte außerdem den Schillerpreisträger Jens Reich. Der Biologieprofessor und Bürgerrechtler aus der ehemaligen DDR, der seit 2008 dem deutschen Ethikrat angehört, hatte es sich nicht nehmen lassen, kurz vor der Entgegennahme des Preises dem Dichtergenie seine Referenz zu erweisen.
Internet: Zum Artikel (www.marbacher-zeitung.de/mbz/page/detail.php/2272903)
Quelle: Marbacher Zeitung
Bild: Schillers Geburtshaus Marbach.JPG
Datum: 10.11.2009
Große Sätze mit großer Ruhe vorgetragen
Christoph Hein hat im Deutschen Literaturarchiv zum Tag des Mauerfalls gesprochen.
Von Astrid Killinger
Der in der DDR aufgewachsene Schriftsteller Christoph Hein, als Zwölfjähriger ausgerechnet durch Friedrich Schiller zum Schreiben animiert, ist einer der 26 Redner bei der großen, den Mauerfall beschleunigenden Alexanderplatz-Demonstration am 4. November 1989 gewesen. Im Jahr 2004 erhielt er den Schillergedächtnispreis des Landes. Mehr Verknüpfung zwischen dem Schillerjubiläum und dem Mauerfalljubiläum geht kaum - ein Glücksfall auch für die städtische Lesungsreihe, die diese beiden Themen verschränkt.
Vielleicht liegt es ein Stück weit an Heins schicksalhafter Involvierung in die Geschichte, die ihn mit großer Ruhe große Sätze sagen lässt: "Ich glaube, wir haben noch nicht erkannt, dass der 9. November 1989 womöglich wichtiger war als das Ende des Römischen Reiches." Am Tag, als die Mauer fiel, wurde laut Hein die Aufteilung der Welt in eine erste, zweite und dritte beendet. "Da konnte die Globalisierung wirklich einsetzen." Der Prozess sei erst zu Ende, wenn es keinen Flecken mehr gebe, wo billiger produziert werde. In etwa 150 Jahren, schätzt Hein, "werden wir dann eine ganz andere Welt als heute haben".
Die Haltung, für positive Weiterentwicklungen auch selbst zu bezahlen, hat Hein bei Schiller "fasziniert" wahrgenommen. Auf die Frage der Moderatorin Silke Arning, wie es sich in der DDR gelebt habe und ob er daran gedacht habe, sie zu verlassen, antwortete der auch an der Ost-Berliner Volksbühne aktiv Gewesene: "Wir waren ein Gegengewicht zum Staat. Man wurde gebraucht." Man müsse Widerstände aushalten, wie Schiller.
Sein zum Schillerjubiläum verfasstes, vom Publikum im Humboldtsaal begeistert beklatschtes, Plädoyer für die Erhaltung der staatlichen Kulturförderung kann als Zeugnis widerständigen Eintretens für das Gute und Schöne gelesen werden. Der volks- und betriebswirtschaftlichen Sparleitlinie "Kunst rechnet sich nicht" stellt er die Befürchtung gegenüber, dass eine Kultur-Vernachlässigung teuer zu stehen komme. Er deutet einen Zusammenhang an zwischen Kulturabsenz und Gewaltzunahme. Der Mensch sei so, dass ihm Brot allein nicht genüge, er brauche auch etwas fürs Herz. So etwas hat er mit seinem jüngsten Roman "Frau Paula Trousseau" erschaffen, aus dem er ebenfalls vorlas. Darin beschreibt er das Leben einer modernen, emanzipierten Frau, das er symptomatisch für die heutige Zeit hält.
Beim Schreiben hat Hein sich selbst überrascht. Obwohl das Buch mit dem Tod der Heldin beginne, ende es heiter. Darüber sei er froh.
Internet: Zum Artikel (http://www.marbacher-zeitung.de/mbz/page/detail.php/2271448)
Quelle: Marbacher Zeitung
Bild: Christoph Hein_Foto Sven Paustian_SV.jpg
Datum: 09.11.2009
300 Tonnen Druck pressen Friedrich Schillers Haupt
Zum 250. Dichtergeburtstag gibt es aus reinstem Gold eine neue Gedenkmedaille.
Von Götz Schultheiß
Nicht nur wenn im Marbacher Rathaus gelächelt wird, sieht man viel Gold: Am gestrigen Mittwoch strahlten die Gesichter über die neue Schiller-Goldmedaille, die dort präsentiert wurde. Das 3,5 Gramm schwere Glanzstück aus reinstem Gold ist ab sofort über die Marbacher Zweigstelle der Kreissparkasse Ludwigsburg für 199,90 Euro erhältlich.
Bereits im Frühling hatten Stadt und Kreissparkasse Silbermedaillen und eine auf 400 Medaillen limitierte Goldserie zu Ehren des Dichters prägen lassen. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen, die goldenen Exemplare sind ausverkauft. Jetzt haben Stadt und Bank zu den Schillerfeierlichkeiten, passend vor Weihnachten, 1000 Goldexemplare mit verändertem Motiv prägen lassen. "Ich finde es schön, dass der Versuch erfolgreich war und dass Gold so besonders leuchtet", sagte Marbachs Stadtoberhaupt Herbert Pötzsch bei der Präsentation. Die Anziehung der Leuchtkraft, so vermutet Lothar Schmidt, Geschäftsführer der Prägeanstalt Euromint in Bochum, liege nicht nur am glänzenden Werk Schillers, sondern an der Wirtschaftskrise, in der die Menschen statt bedrucktem Papier härtere Werte bevorzugten. Seit dem Ausbruch der Bankenkrise sei dieser Trend spürbar und treibe den Wert des Edelmetalls nach oben. "Die Feinunze Gold mit 31,1 Gramm liegt bei knapp über 1000 Dollar, so hoch wie nie", bestätigt Hans Joachim Eckstein, Abteilungsdirektor fürs Auslandsgeschäft der Kreissparkasse Ludwigsburg.
Für die neue Serie der Schillermedaille hat Euromint, eigens zwei neue Stempel aus Edelstahl gefertigt, die vom Graveur graviert wurden. Die Firma ist spezialisiert auf Medaillen und arbeitet für Universitäten, die Unesco und für Vereine. Die Vorlage hat sich Lothar Schmidt bei dem Marbacher Stadtarchivar Albrecht Gühring besorgt. So glänzt des Dichters Haupt jetzt nach einem Pastellgemälde von Gerhard von Kügelgen, der den in Marbach bürgerlich geborenen Schiller etwa fünf Jahre nach dessen Tod, um 1810, gemalt hat. Die Vorderseite der Medaille zeigt Schillers Namenszug und eine Ansicht von Marbach. Wert legen Stadt, Kreissparkasse und Euromint darauf, dass es sich bei der Prägung nicht um eine Münze handelt, die ja ein Zahlungsmittel ist, sondern um eine Medaille, also um ein Erinnerungsstück. Es macht auch aus Schillers verliehenem Adelstitel keinen Hehl, trägt es doch den Schriftzug: "Friedrich von Schiller zum 250. Geburtstag, 10. 11. 1759".
Internet: Zum Artikel (www.marbacher-zeitung.de/mbz/page/detail.php/2265913)
Quelle: Marbacher Zeitung
Bild: M-Muenze_Foto Werner Kuhnle.JPG
Datum: 05.11.2009
Marbacher Schillerwoche feiert den 250. Geburtstag Friedrich Schillers
Die traditionelle Festwoche markiert auch im Schillerjahr 2009 einen Höhepunkt und beendet gleichzeitig die Jubiläumsfeierlichkeiten in der Geburtsstadt des Dichters, die im Februar ihren Auftakt hatten.
Den Veranstaltungsreigen zwischen 7. und 15. November 2009 eröffnet die Stadtkapelle-Musikverein Marbach mit ihrer Uraufführung der Neubearbeitung von Beethovens 9. Sinfonie für Blasorchester und Chor am Samstag, 7. und Sonntag, 8. November 2009 um 20 bzw. 19 Uhr in der Stadthalle Schillerhöhe. Zusammen mit dem Liederkranz Marbach und dem Schulchor des Friedrich-Schiller-Gymnasiums wird mit der Unterstützung des Chorverbandes Friedrich Schiller und einigen auswärtigen Chormitgliedern das Werk erstmalig in einer Bearbeitung für Blasorchester und Chor von Peter Pfeiffer, Dirigent der Stadtkapelle, aufgeführt. Insgesamt sind bis zu 250 Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker an dem einmaligen Projekt beteiligt.
Es war auch kirchlich eine Zeit des Umbruchs, in die hinein Friedrich Schiller geboren wurde. Der Einfluss religiöser Gedanken seiner Zeit ist in Schillers Werken an vielen Stellen zu spüren. Mit der Thematik befasst sich ein festlicher Gottesdienst mit Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July der Evangelischen Kirchengemeinde am Sonntag, 8. November 2009 um 10 Uhr in der Stadtkirche.
In der Reihe „20 Jahre Mauerfall“ sind in der Schillerwoche die Autoren Christoph Hein am Sonntag, 8. November 2009 um 17 Uhr und Thomas Brussig sowie junge Autoren mit Berlin-Erfahrung am Mittwoch, 11. November 2009 um 19.30 Uhr, in Marbach zu Gast. Die renommierten Schriftsteller aus dem Osten Deutschlands setzten sich in ihren Werken mit den Umbrüchen in Politik und Gesellschaft in der Wendezeit vor 20 Jahren auseinander und lesen in der Schillerstadt.
Die Schillerrede 2009 der Deutschen Schillergesellschaft hält in diesem Jahr Professor Dr.-Ing. E.h. Berthold Leibinger, Ditzingen zum Thema „Schiller an sich – Schiller für mich“ (Eintritt nur mit Einladung). In einer wissenschaftlichen Tagung des Deutschen Literaturarchivs Marbach zum Thema „Schiller, der Spieler“ setzen sich Referenten aus dem In- und Ausland mit dem Begriff des Spiels in Schillers Werk auseinander, der für seine Arbeiten von elementarer Bedeutung ist (Anmeldung beim Deutschen Literaturarchiv Marbach, www.dla-marbach.de)
Dienstag, 10. November 2009: 250. Geburtstag Friedrich Schillers
7.00 Uhr, 11.00 Uhr und 17.00 Uhr, Alexanderkirche, Am alten Markt
Läuten der Schillerglocke Concordia
15.00 Uhr (Eintritt nur mit Einladung)
Wiedereröffnung des Schiller-Nationalmuseums
Nach zwei Jahren Bauzeit wird das Schiller-Nationalmuseum wiedereröffnet. In den Innenräumen wurde nach den Plänen von David Chipperfield Architects der historische Bestand des 1903 erbauten Museums neu interpretiert. In einer neuen Dauerausstellung wird die außergewöhnliche Geschichte der deutschen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts mit dem Schwerpunkt auf der schwäbischen Dichtung dargestellt. Zur Eröffnung werden Bundespräsident Horst Köhler und Ministerpräsident Günther H. Oettinger erwartet.
16.15 Uhr, Schillerdenkmal, Schillerhöhe
Blumengruß der Marbacher Grundschüler am Schillerdenkmal
im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler
18.30 Uhr, vor Schillers Geburtshaus, Niklastorstraße 31
Szenisch-musikalische Huldigung
(Stadtkapelle-Musikverein Marbach am Neckar e. V. und Chorvereinigung Lie-derkranz Marbach)
20.00 Uhr, Stadthalle Schillerhöhe
Verleihung des Schillerpreises der Stadt Marbach am Neckar an Professor Dr. Jens Reich (Eintritt frei)
Am Donnerstag, 12. November 2009 präsentiert das Bundesministerium der Finanzen in einer kleinen öffentlichen Feierstunde um 14.30 Uhr im Bürgersaal des Rathauses die Sonderbriefmarke „250. Geburtstag Friedrich von Schiller“. Zwischen 9 und 17 Uhr sowie am Freitag, 13. November 2009 von 9 bis 15 Uhr bietet die Deutsche Post Philatelie im Foyer des Rathauses die neue Briefmarke mit Sonderstempel (Ersttagsstempel) und limitierter Klappkarte an.
Noch bis Sonntag, 15. November 2009 ist im benachbarten Stadtinfoladen zu den Öffnungszeiten die kleine Briefmarken-Wanderausstellung „Sammler ehren Schiller“ des Württembergischen Philatelistenvereins Stuttgart 1882 e. V. zu sehen.
Am Samstag, 14. November 2009 lesen und rezitieren um 19.30 Uhr in der Stadthalle Schillerhöhe Walter Sittler und Berit Fromme Friedrich Schiller. Unter dem Titel „Weil es die Schönheit ist, durch welche man zu der Freyheit wandert“, folgen die beiden Schauspieler sehr subjektiv den Freiheitsspuren in Schillers Literatur und bringen wohl Bekanntes wie Unbekanntes des „Dichters der Freiheit“ zu Gehör.
Der Marbacher Schillersonntag unter dem Motto „Happy Birthday, Schiller!“ ist die letzte Veranstaltung des Jubiläumsjahres. Als verkaufsoffener Sonntag mit Ladenlesungen und Aktionen für die ganze Familie sowie dem Tag der offenen Tür in den Literaturmuseen lässt er das Andenken an den Dichter noch einmal lebendig werden.
Der Tag klingt am Abend durch ein Gemeinschaftskonzert von The Stratford-upon-Avon Operatic Society Choir, England, Chorvereinigung Liederkranz Marbach und Chor des Friedrich-Schiller-Gymnasiums aus.
Noch bis 4. Dezember 2009 ist im Foyer des Rathauses die Ausstellung „Opiumschlummer und Champagnerrausch“ zu sehen. Sigrid Artmann zeigt Friedrich Schiller in Kalligrafien.
Änderungen vorbehalten.
Internet: Zum Veranstaltungskalender (http://www.schillerjahr2009.de/veranstaltungen/index.php?month=11)
Bild: Marbacher Schillerwoche.JPG
Datum: 30.10.2009
Glasklaren Reflexionen in starken Sätzen
Monika Maron hat als erste Autorin in der Reihe "20 Jahre Mauerfall" gelesen.
Die lobende Beschreibung ihrer Person, welche die für das Zwiegespräch in der Stadthalle hinzu geladene Marion Isabella Kadura vom Kulturamt Stuttgart in bester Absicht vorliest, weist Monika Maron entschieden von sich. Dass diese Kurzcharakteristik, verfasst anlässlich ihrer Auszeichnung als Mainzer Stadtschreiberin, aus Standardtextteilen besteht, wie sie schon für viele andere Autoren verwendet wurden, erwähnt sie höflicherweise freilich nicht.
Wohl aber stellt sie klar, dass sie keine "Chronistin" sei, weder der DDR noch des Ostens des vereinigten Deutschlands. Zwar handeln die Bücher, aus denen sie unter dem Titel "20 Jahre Mauerfall" in der Marbacher Reihe "Schiller politisch" vorliest, eben von diesen Gegenden. Doch wer sie liest beziehungsweise hört, merkt rasch, wie ungenügend der Begriff der Chronologie hier ist.
Ihr erstes Buch, "Flugasche" aus dem Jahr 1981, thematisiert die Umweltsünden der DDR auf eine doppelbödige Weise, die mindestens ebenso starke Kritik an der Zensur übt. Über die Figur der Reporterin Josefa Nadler - Monika Maron arbeitete selbst sechs Jahre lang in diesem Beruf - bleibt die Autorin zwar auf dem Boden der Tatsachen. Dennoch entwickelt der Roman eine andere Wirkung als eine reine Reportage. Er besticht durch glasklare Reflexionen, gegossen in perfekte, poetisch starke Sätze, und das, obwohl der Leser teilhaben darf an der Suche Josefas nach den treffenden Wörtern. Dem Verlag in der DDR waren die Sätze über die schmutzigen Arbeits- und Lebensbedingungen in und bei den Bitterfelder Kohlekraftwerken zu klar. Nach dreijährigem Kampf wandte sich Maron über verschlungene Wege an einen Westverlag, der die Geschichte auf Anhieb verlegte.
Im Jahr 1951 zehnjährig mit der Mutter von West- nach Ostberlin gezogen, wo die Mutter den Kommunisten und späteren DDR-Innenminister Karl Maron heiratete, siedelte Monika Maron 1988 wieder in den Westen über.
Ihr jüngstes Werk, "Bitterfelder Bogen", will Maron selbst keiner Gattung zuordnen. Es sei von vielem etwas. Die Reporterin in der Autorin ist aber auch diesem Werk anzumerken. Es spielt nicht nur auf den 2006 eingeweihten "Bitterfelder Bogen" an, ein monumentaler Aussichtspunkt über die bei Bitterfeld-Wolfen neu entstandene Kulturlandschaft. Es schlägt auch einen Bogen von dem Bitterfeld aus "Flugasche" zum heutigen Solar Valley dort mit der weltweit größten Solarzellen-Firma Q-Cells.
Die Autorin beschreibt voller ansteckender Sympathie die chaotisch-idealistischen Anfänge der Firmen Wuseltronik und Q-Cells und setzt den Gründern und der Gegend ein wunderschönes Denkmal.
Monika Maron stimmt mit Kadura überein, dass negativen Bildern über den neuen Osten viel zu wenig Erfolgsgeschichten von dort gegenüber gestellt werden. Selbst die Ostdeutschen würden sie zu wenig kennen.
Ihr Buch ändert daran etwas, und auch ein Film von ihr, der am 30. Oktober im ZDF gesendet wird.
Von Astrid Killinger
Internet: Zum Artikel (www.marbacher-zeitung.de/mbz/page/detail.php/2252442)
Quelle: Marbacher Zeitung
Bild: M-Am-Maron_1737.JPG.634699_Foto Avanti.JPG
Datum: 25.10.2009
Eindrucksvolles Theater im Miniaturformat
Im Papiertheater ist "Die Jungfrau von Orleans" aufgeführt worden.
Von Cornelia Ohst
In einer Welt, in der alles möglich scheint und in der Auge und Ohr von technischen Spezialeffekten geradezu überflutet werden, sucht der eine oder andere Theaterbesucher gern einmal die reduzierte Form der Unterhaltung. Geboten wurde diese am Samstag, als vor einem interessierten Publikum in der Marbacher Stadtbücherei das Papiertheater "Don Giovanni, Käthchen & Co.", die "Die Jungfrau von Orleans" spielte.
Ein auberginefarbener Samtvorhang umsäumt die papierene Bühne, abgedunkelte Fenster lassen den Regen draußen vergessen und warmes Licht erstrahlt. In dieser heimeligen Atmosphäre empfängt Peter Schauerte-Lüke, seine Besucher und erzählt, wie das Papiertheater einstmals entstanden ist. Aus dem Begehren bürgerlicher Schichten heraus, die, ähnlich wie der Adel, Lustbarkeiten und sinnliche Verzauberung erfahren wollten, war die Theaterform aus den damaligen Bilderbogen fortentwickelt worden. "Wo nicht aus Liebe geheiratet wurde, musste man Liebe und Romantik in spielerischer Form erleben", weiß der Gründer und Spieler eines Miniaturtheaters, das er vor über 20 Jahren ins Leben gerufen hat und seither eine Renaissance erlebt. Bei szenischer Einführung und einer Gesangseinlage gibt Peter Schauerte-Lüke eine Kostprobe seines Könnens, während er historische Fakten einstreut. Doch dann geht es schließlich los. Mit donnernder, säuselnder oder gewinnender Stimme lassen Schauerte-Lüke und seine Mitspielerin, Sabine Herder, die Protagonisten aus Schillers Drama, wie etwa die gottesfürchtige und kämpferische Jungfrau vor den Augen der Gäste aufleben.
Eine Tröte schreckt auf. Eindrucksvoll gesprochen, erreichen markante und in Ehrfurcht erregendem Sprachduktus verfasste Aussagen das Ohr des Zuschauers. " . . . muss jeder Zweifel irdischer Klugheit schweigen", lässt der Sprecher eine Figur sagen und den Besucher vergessen, dass es sich nur um einen kleinen, toten Papierdarsteller handelt, der ihn in eine fremde, verwirrende Welt entführt. Mit wirkungsvoll eingesetzten Ton- und Lichteffekten wird das muntere Spiel ergänzt und erzeugt eine Illusion, die heutzutage kaum vorstellbar ist, denkt man an sonstige, aufwendige Produktionen. Das Flackern des Lichts symbolisiert beispielsweise das Brennen der soldatischen Zeltstadt. Bedrohlich ist dies allemal in der Kombination von Schillers dramatischen Worten und der eindringlich-intensiven Vertonung, durch der Spieler Sprache. So entsteht mit den gemalten Pappfiguren und Tönen wie Donner, Pfiffe sowie Tonbandaufnahmen von Schalmeien oder Fanfaren ein Szenario, das ergreifend ist.
Mitunter suggeriert es dem Zuschauer sogar das Dabeisein auf einem menschenüberfüllten Marktplatz und einem Großaufgebot von Heer und Adel. Mühelos handelt das Papiertheater alle großen Gefühle und Verwirrungen der menschlichen Seele ab und lässt das Publikum mitleiden und zittern. Das wiederum ist begeistert und lässt sich nach der Vorstellung hinter der Bühne erklären, mit welchen Methoden die eindrucksvollen Effekte erzeugt wurden. Die ambitionierten Spieler und leidenschaftlichen Sammler von Papierfiguren, Peter Schauerte-Lüke und Sabine Herder, geben dazu bereitwillig Auskunft.
Internet: Zum Artikel (www.marbacher-zeitung.de/mbz/page/detail.php/2244468)
Quelle: Marbacher Zeitung
Datum: 19.10.2009
Kleine Figuren kommen ganz groß raus
Vom Papiertheater in der Bücherei sind Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistert gewesen. Von Andrea Opitz.
Das Veranstaltungszimmer der Stadtbücherei ist wie geschaffen für das kleine, aber feine Papiertheater. Denn für mehr als 25 Zuschauer sei diese Form des Theaterspielens nicht geeignet, betont die Büchereileiterin Monika Seibold. Und weil die filigranen Figuren in den hinteren Reihen nur schwer zu erkennen sind, verteilt Rüdiger Koch vom Berliner Papiertheater Invisius Operngläser.
Die Ballade "Der Handschuh" von Friedrich Schiller hat Koch eigens zum Schillerjahr 2005 für das Papiertheater zugeschnitten. Es ist das einzige Schiller-Stück im Repertoire von Invisius.
An dünnen Metallstäbchen führt Rüdiger Koch das Fräulein Kunigunde, den Loi sowie den edlen Ritter über die Miniaturbühne. Die Geschichte vom Handschuh ist schnell erzählt. Deshalb gibt es bei der Nachmittagsvorstellung am Samstag "Rumpelstilzchen" als Dreingabe. Bei der Abendvorstellung führt Koch anstelle des Grimm-Märchens den "Freischütz" auf.
Im klassischen Papiertheater aus dem 19. Jahrhundert kommen die kleinen Figuren ganz groß raus. Die einzelnen Bühnenbilder sind hintereinander angeordnet. Mit Unterstützung von gekonnt inszenierten Lichteffekten entsteht eine räumliche Tiefe, die ein wahrer Hingucker ist. Das Schauspiel kommt beim Zuschauer zwar ohne die Mimik und Gestik von Darstellern an. Die Effekte sind jedoch mitreißend. Denn die neuzeitliche Technik wird mit dem althergebrachten Theaterspiel verknüpft. Selbstverständlich dürfen die Besucher nach der Vorstellung einen Blick hinter die Kulissen werfen, wo Rüdiger Koch Wissenswertes rund ums Papiertheater erklärt. Im 19. Jahrhundert sei diese Form des Theaterspielens in den bürgerlichen Familien gang und gäbe gewesen. Aus Papier und Kleister seien die Minibühnen sowie die Protagonisten im Familienverbund gebastelt worden. In Bühnengestaltung, -technik und Repertoire lehnte sich das Papiertheater bewusst an die "große" Bühne des 19. Jahrhunderts an.
Heutzutage sei diese Form des Theaters vor allem bei Pädagogen beliebt. Es lasse Raum für die eigene Fantasie und Kreativität, weiß Rüdiger Koch. Die Kinder im Zuschauerraum regte er dazu an, gerade jetzt in den Wintermonaten zu Schere, Kleber und Papier zu greifen, um sich ein eigenes Theater zu kreieren.
An zwei Tagen haben die Theaterprofis ihr Publikum am Wochenende verzaubert. Neben den beiden Samstagsvorstellungen mit Rüdiger Koch vom Inivisius-Theater hat das Figurentheater Liselotte aus Berlin am Sonntag "Wilhelm Tell" in der Stadtbücherei aufgeführt.
Internet: Zum Artikel (http://www.marbacher-zeitung.de/mbz/page/detail.php/2235436)
Quelle: Marbacher Zeitung
Bild: Die Räuber-Oper_Foto Uwe Warrach.jpg
Datum: 12.10.2009
Der Schillerpreisträger 2009 steht fest
Die Jury hat sich für Prof. Dr. Jens Reich entschieden
Der mit 10.000 Euro dotierte Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar wurde in diesem Jahr dem Molekularbiologen und DDR-Bürgerrechtler Prof. Dr. Jens Reich zuerkannt.
Reich hat der Bürgerbewegung in der ehemaligen DDR Kraft und Ausdruck gegeben und so mit zum Fall der Mauer beigetragen. Seine wissenschaftlichen Forschungen waren immer auch durch die Beachtung ethischer Grundsätze geprägt.
Der Preis wird am 10. November 2009, dem 250. Geburtstag Friedrich Schillers, um 20 Uhr in der Stadthalle Schillerhöhe, Schillerhöhe 12, von Bürgermeister Herbert Pötzsch überreicht.
Jens Reich wurde 1939 in Göttingen geboren und ist in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Bereits ab 1970 gehörte er dem von ihm mitbegründeten „Freitagskreis“ an, einer Gruppe von etwa dreißig oppositionell gesinnten DDR-Bürgern. Staatliche Sanktionen, denen er sowohl beruflich als auch persönlich ausgesetzt war, hinderten ihn nicht an kritischen Analysen des Systems der DDR. 1989 war Jens Reich einer der Autoren und Erstunterzeichner des Aufrufs „Aufbruch 89 – Neues Forum“. In seiner wissenschaftlichen Tätigkeit, die er nach der Wende wieder in führender Stellung am neugegründeten Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch aufnehmen konnte, vertrat er stets ethisch höchst verantwortungsvolle Positionen, vor allem im Bereich der Genforschung. Daneben bleibt das politische und publizistische Wirken für Jens Reich Lebensaufgabe. 1994 wird er vom Bündnis 90/Die Grünen als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten nominiert. 1997 ist er Gründungsmitglied des „Willy-Brandt-Kreises“, der sich Fragen des friedlichen Zusammenlebens der Völker und des sozialen und gerechten innerstaatlichen Zusammenlebens widmet. Seit 2001 ist er Mitglied des Nationalen Ethikrates.
Zur Neuausrichtung des Schillerpreises
Zum 200. Geburtstag Friedrich Schillers im Jahr 1959 wurde erstmals der Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar verliehen. Seither wurde mit ihm im zweijährigen Turnus jeweils eine hervorragende Arbeit auf dem Gebiet der Landeskunde von Württemberg gewürdigt. Aus Anlass des Schillerjahres 2009 hat der Gemeinderat die Kriterien für die Verleihung des Schillerpreises erweitert.
Schiller war ein geistiger Weltbürger, dessen Gedanken keine politischen Grenzen kannten. In seinen Werken spielen die Erringung der Freiheit, ihre Verteidigung und auch der verantwortliche Umgang mit ihr eine zentrale Rolle. Deshalb gilt Friedrich Schiller in Deutschland und weit darüber hinaus nach wie vor als der Dichter der Freiheit. Nicht weniger tiefgründig sind seine historischen und philosophischen Arbeiten, die ihn als einen Repräsentanten der Aufklärung und Vertreter eines an der sozialen Wirklichkeit geschulten Idealismus erscheinen lassen.
Der Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar geht daher künftig an Persönlichkeiten, die in ihrem Leben oder Wirken der Denktradition Friedrich Schillers verpflichtet sind. Besonders preiswürdig ist der Einsatz für einen ethisch verantwortbaren Freiheitsbegriff im Sinne des Dichters, sei es in der Politik, der Kunst, den Geistes- und Sozialwissenschaften oder den Naturwissenschaften.
Bild: Jens Reich_Fotograf David Ausserhofer_Copyright MDC.JPG
Datum: 09.10.2009
Schillers scharfer Blick reicht sehr weit
Sein Werk ermöglicht Antworten auf heutige Probleme. Das hat der "Marbacher Kulturdialog" gezeigt.
Der Anthropologe und Kulturwissenschaftler Constantin von Barloewen hält Schiller für einen Prognostiker der Moderne. Er habe die Massengesellschaft und die Spezialisierung vorausgesehen und sich um das Indivduum gesorgt. Auf Schillers treffsichere Differenziertheit führt er die Aktualität des Klassikers zurück, nach der die Moderatorin Sigrid Löffler das Quartett auf dem Stadthallenpodium befragt hatte.
Diese besondere Qualität Schillers arbeitete die britische Germanistin und Schiller-Spezialistin Lesley Sharpe in ihrem Impulsreferat deutlich heraus, und sie leitete erfreulicherweise gegenwartsbezogene Schlussfolgerungen daraus ab. Sein "scharfer Sinn für die mit der Machtausübung verbundenen Widersprüche" lehre den Leser, das Dilemma zu verstehen und "vielleicht vor Zynismus zu schützen". Es sei nämlich bedauerlich, dass Schwächen der Politiker beim Volk zu Zynismus und Verdrossenheit führten. Schiller habe nie den Glauben an Verbesserungen aufgegeben.
Schiller habe an diese Stelle seine Erziehung zur Ästhetik gesetzt. Die Welt und den Menschen unter dem ästhetischen Blick und nicht unter dem Nutzgedanken zu sehen, habe eine verwandelnde Kraft. Wo hingegen Hochschulen über Studiengebühren zu Betrieben verkämen, da werde die Debatte über die der Wissenschaft innewohnenden Werte zum Tabu, so Sharpe. Noch intensiver hat der anthroposophische Unternehmer Karl Huober, der in seinen Betrieben Bildungsangebote macht, der heutigen Relevanz Schillers nachgespürt. Nicht nur von Schiller zu "faseln", sondern ihn als Erzieher ernst zu nehmen, sein "Pathos zu erlösen" mit dem Verinnerlichen seiner Gedanken und dann über ihn etwas aus sich selbst herausbringen, findet Huober interessant, und er bekommt Beifall für derlei Äußerungen. Die Frage nach der Aktualität Schillers kontert Huober mit der Gegenfrage: "In Bezug auf was sind wir denn eigentlich so aktuell?" Er meint, dass Schiller bereits das ganzheitliche Denken praktizierte, welches er sich für die heutige Zeit wünscht, die er von Staat und Wirtschaft dominiert sieht. Etwas Drittes fehlt ihm heute, was den Trieb und das Stoffliche des Menschen ergänze, solange Kultur nur als "Klimbim" an die Wirtschaft angehängt werde.
Schiller ist laut Huober von der Bekenntnis- zur Erkenntnisreligion gelangt. Auch für die Demokratie reiche es nicht, lediglich zu bekennen. "Wo gehen wir denn hin, wenn wir seine Ode singen: Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum? Wir lallen doch nur", verwies der Erdmannhäuser Karl Huober auf die allgemeine Diskrepanz zwischen Bekennen und Erkennen.
Dem Kultur- und Religionswissenschaftler Jan Assmann zufolge hat Schiller den Aufklärungsgedanken über die Bühne aus den damaligen geheimen Logen hinaus in die Gesellschaft getragen und die Kunst antrophologisiert. Der von Assman bereits in seiner Marbacher Schillerrede 2006 geprägte Begriff von Schillers "Vorstellungstrieb" ist Grundlage für Selbstveränderung. Assmann bezieht Verständnis für das Ganze und für andere darin ein. Das würde, so deutet er an, Kulturkämpfe und Terrorismus ausschließen.
"Die Vernunft hat nur Chancen, wenn auch der sinnliche Mensch eine gewisse Reife hat." Damit nahm der Literatur- und Theaterwissenschaftler Dieter Borchmeyer den roten Faden rund um die menschliche Polarität auf. Die Vernunft müsse sinnlich machen und die Sinnlichkeit vernünftig werden. Auch er berief sich wie die anderen auf Schillers Briefe zur ästhetischen Erziehung. Sie habe nichts damit zu tun, in Konzerte zu gehen und durch Galerien zu laufen. Borchmeyer stellte fest, dass nach längerer Abstinenz Regisseure sich wieder vermehrt für Schiller interessieren würden. Die Beantwortung der Frage aus dem Publikum, warum das so sei, blieb er schuldig. Sigrid Löffler meinte dazu, dass dies das Publikum selbst am besten wissen müsste.
Astrid Killinger
Quelle: Marbacher Zeitung
Bild: Constantin von Barloewen.jpg
Datum: 05.10.2009
Zum Schillerjahr 2009: Dichter und Denker in Gold und Silber
Zwei Jubiläumsmedaillen in Feinsilber und Feingold sind als besondere Erinnerung in Marbach erhältlich.
Friedrich Schiller ist eine der herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Literatur und Geistesgeschichte. Schillers Werk gehört zur Weltliteratur. In seinen Dramen setzt er sich mit den Ideen der Vernunft, Humanität und Freiheit auseinander und verfolgt als Denker das Ideal einer Bildung, die den selbstbestimmten Menschen hervorbringt. Seine Themen sind heute moderner denn je. Auch mehr als 200 Jahre nach seinem Tod geht uns Schiller inmitten der globalisierten Welt etwas an, üben er und sein Werk eine Anziehungskraft aus.
Anlässlich Schillers 250. Geburtstags in 2009 wurde eine Jubiläumsmedaille in Feinsilber und Feingold herausgegeben. Die Edelmetallprägung hat einen Durchmesser von 35 mm und ist 15 Gramm schwer. Sie ist in der höchsten internationalen Qualitätsstufe Polierte Platte ausgeprägt. Die Sonderprägung kostet in Feinsilber 34,50 €, verpackt in einem blauen Schmucketui mit Zertifikat. Als Besonderheit gibt es diese Prägung auch in Feingold 999.9 in der Größe 20 mm 3,5 g. Die erste Serie der goldenen Jubiläumsmedaille ist bereits vergriffen und wird Aufgrund der hohen Nachfrage nochmals aufgelegt.
Zu erwerben gibt es die beiden Medaillen bei den Marbacher Filialen der Kreissparkasse Ludwigsburg.
Bild: schiller_feinsilber_polierteplatte.jpg
Datum: 01.10.2009
Souvenirs aus dem Schillerjahr
Weingläser der Schillerlaube und Steingutbecher des 18.-Jahrhundertfestes in Marbach erhältlich
Im Stadtinfoladen, Marktstraße 25, in Schillers Geburtshaus, Niklastorstraße 31, im Rathaus, Marktstraße 23, und bei Foto-Rahmen-Handy Beran, Marktstraße 32, sind sowohl die Weingläser der Schillerlaube als auch die Steingutbecher des 18.-Jahrhundertfestes erhältlich.
Die Weingläser mit graviertem Logo "Schillerjahr 2009" und dem Schriftzug "Marbach... frei nach Schiller" haben die Form "Madlen 41 cl" und Eichstriche bei 0,25 l und 0,1 l. Sie sind zum Preis von je zwei Euro pro Glas beziehungsweise zehn Euro pro Karton à sechs Gläsern zu erwerben. Für je vier Euro sind die Steingutbecher à 0,3 l (geeicht 0,25 l) erhältlich, die das Marbacher Stadtwappen ziert, und die erstmals beim 18.-Jahrhundertfest "Der Marbacher Herzogsbesuch" im Mai 2009 zum Einsatz kamen.
Beide Trinkgefäße haben eine limitierte Auflage, und der Verkauf läuft solange der Vorrat reicht. Wer Interesse an einer hochwertigen und zugleich praktisch einsetzbaren Erinnerung ans Schillerjahr hat, kann sich an die genannten Verkaufsstellen wenden.
Bild: GlasSchillerjahr2009_Foto Wolfram Linnebach.jpg
Datum: 24.09.2009
Schön war’s – Das Marbacher Schillerjahr 2009
Die Feierlichkeiten zum Schillerjahr 2009 „Marbach … frei nach Schiller“ erstreckten sich zwischen 2. Februar 2009, dem Eröffnungsakt durch Ministerpräsident Günther H. Oettinger, und dem Schillersonntag am 15. November 2009. Dazwischen lagen zahlreiche Veranstaltungen aus allen Bereichen der Kunst und Kultur. Ein Rückblick soll an dieser Stelle das gesamte Projekt zusammenfassend skizzieren.
2007. Die Zielsetzung
Mitte 2006 diskutierte der Gemeinderat erstmals über das bevorstehende Ereignis und beschloss, ein Konzept zu erstellen. In einem breiten kommunalpolitischen Diskussionsprozess wurde in den kommenden Monaten u.a. im Kulturforum und in einer Arbeitsgruppe unter der Moderation des Esslinger Kulturreferenten Dr. Peter Kastner und der Veranstaltungsmanagerin Sabine Brandes ein Konzeptrahmen erarbeitet, der im Mai 2007 vom Gemeinderat verabschiedet wurde. Unter dem Leitmotiv „Marbach … frei nach Schiller“ wurden folgende Ziele festgelegt:
- Profilschärfung für Marbach
- Einbindung der Bevölkerung
- Überregionale Aufmerksamkeit
- Qualität wie Popularität
- Originalität
- Nachhaltigkeit und Folgeeffekte
Das beachtliche Ergebnis
Ein Fest für und mit den Marbacher Bürgerinnen und Bürgern sollte das Schillerjahr 2009 werden. Durch die engagierte Mitarbeit und das große Engagement der Marbacher Akteure und der Bevölkerung wurde dieses Ziel erreicht.
Nicht zuletzt durch die bundesweite Aufmerksamkeit in allen Medien fanden zahlreiche Besucher ihren Weg nach Marbach, was auch den Tourismus stärkte.
Im Schillerjahr konnten durch die zusätzlichen Mittel ungewöhnliche Veranstaltungsorte wie der Platz vor Schillers Geburtshaus und neue Veranstaltungsformen auf bekannten Plätzen wie die Schillerlaube auf dem Burgplatz entdeckt und ausprobiert werden.
Es wurde deutlich, dass sich mit attraktiven Themen gesellschaftliches Engagement mit Kreativität verbinden lässt, wie beispielsweise beim 18.-Jahrhundertfest. Eine kleine Stadt hat sich selbstbewusst mit ihrem kulturellen Erbe auseinander gesetzt und es zu einem gegenwärtigen Kulturereignis gemacht. Ein Potential auf das man auch in Zukunft aufbauen kann.
Die finanziellen Mittel des Schillerjahres wurden sowohl für eigene Veranstaltungen eingesetzt, zugleich wurden aber auch zahlreiche Aktivitäten aus der Stadt großzügig gefördert und dadurch erst ermöglicht.
Veranstaltungsrückblick I: Die Eigenproduktionen
Festliches: Der Marbacher Herzogsbesuch – Ein Fest des 18. Jahrhunderts
Ca. 25.000 Besucher an zwei Tagen, Hunderte von Gewandeten, Dutzende von Schauspielerinnen und Schauspielern, zahlreiche Stände und kein abgeschlepptes Auto. Die Bilanz des ungewöhnlichen Festes, das neue Wege beschreiten wollte, fiel mehr als positiv aus. Von den Kindergärten über die Grundschule bis hin zum Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG), vom Ballettstudio bis zur Musikschule Marbach-Bottwartal, von den Kirchen bis zur ganzen Stadtverwaltung und hin zu ungezählten Privatpersonen ließ sich fast die ganze Stadt mitreißen ein theatrales Fest auszurichten. Am Sonntag veranstaltete der Verein zur Erhaltung der Alexanderkirche e. V. anlässlich des historischen Alexandertages ein Fest in und um die Alexanderkirche. Das Entstehen einer Nähstube, die Mittelpunkt eines halbstündigen SWR-Berichtes wurde, sei hier nur exemplarisch genannt.
Experimentelles und Ungewöhnliches: Die Niklastorstraße vor Schillers Geburtshaus wurde für die Open-Air-Lesungen der Filmschauspieler Marianne Sägebrecht und Matthieu Carrière gesperrt, SWR-Hörspiele im Literaturmuseum der Moderne (LiMo) gemeinsam gehört. Schauspielerinnen aus ganz Europa forschten im Rahmen des internationalen, von der Europäischen Union geförderten Laboratoriums des Berliner Theaterzentrums AktZent der Kunst des Schillerschen Dialogs nach, und nicht nur Kinder konnten in der Sparkasse kunstvolle Original-Zeichnungen aus Schiller-Werken des Berliner Kindermann Verlages betrachten. Die Bandbreite des Programms bot für jeden Geschmack etwas, und ging unbekannte Wege.
Besondere Kooperationen: Die Kooperation mit der Hessischen Theaterakademie mit den Studiengängen Regie und Schauspiel der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst so-wie dem Studiengang Dramaturgie der Johann-Wolfgang-Goethe Universität in Frankfurt am Main und dem HEIDELBERGER STÜCKEMARKT 09 hat dem Schillerjahr mit „Schiller sehen“ eine der ungewöhnlichsten Aufführungen beschert: Acht Positionen zur Gegenwart, acht dramatische Blitzlichter, die das Publikum in einem Parcours durch wechselnde Räume erlebte.
Ca. 40 Kinder der Marbacher Grundschule arbeiteten eine Woche begeistert mit dem griechischen Künstler Yorgos Sapountzis und verhüllten das Schiller-Denkmal mit ihren Bildern. Am Ende einer bunten Performance enthüllten die Kinder das Denkmal wieder. Das Projekt war eine gelungene Kooperation mit dem Mannheimer Festival „Internationale Schillertage“.
Die Verbindung von Schillerjahr und Fußball stellte die Kooperation mit dem VfB Stuttgart her, der am Samstag, 25. April 2009 u.a. die Schillerspots der Spieler Ricardo Osorio, Matthieu Delpierre und Kapitän Thomas Hitzlsperger vor dem Spiel gegen Frankfurt zeigte.
Literarisches: Zwei starke Literaturreihen mit den Europalesungen im Frühjahr und den Lesungen zum Jubiläum 20 Jahre Mauerfall konzipierte das Marbacher Literaturbüro am Cottaplatz unter dem Motto „Vom Marbacher zum Weltbürger“. Ungewöhnliche Verbindungen von Musik und Literatur waren ebenso zu entdecken wie Autorengeheimtipps, darunter der tschechische Jungstar Jaroslav Rudiš. Hinzu kamen bekannte Autoren wie Margriet de Moor, Christoph Hein und Monika Maron. Beim Marbacher Kulturdialog diskutierten international renommierte Wissenschaftler und Autoren, darunter Jan Assmann, Dieter Borchmeyer und Constantin von Barloewen, die Frage nach der Aktualität der Schillerschen Ideen.
Perspektive Schiller: Wie lebendig der Klassiker noch auf den Bühnen ist, zeigten die herausragenden Gastspiele der „Jungen Schillerwoche“. „Die Räuber“ vom Theater Heidelberg und „Wilhelm Tell“ vom Berliner Theater an der Parkaue waren ausverkaufte Höhepunkte. Die Stadthalle Schillerhöhe wurde mit „Don Carlos“ von der Württembergischen Landesbühne Esslingen eröffnet, und im Oktober zeigte das kleine Papiertheaterfestival in der Stadtbü-cherei wie facettenreich Theaterkunst sein kann.
Musikalische Erkundungen: Die Altrocker Heinz Rudolf Kunze und Purple Schulz bewiesen ihr Herz für Schiller und der Jazzpianist Jens Thomas brachte Goethes Lyrik zum phantastischen Klingen. Die Spanne reichte auch vom klassischem Lied einer Ulrike Sonntag bis zur SWR1-Party, die die neue Halle vibrieren lies.
Sommerliche Vergnügungen: Welches Potential der Burgplatz hat, bewies die erfolgreiche Schillerlaube mit Autoren und Weinen der Region, mit Musik und Literatur. Ein sommerlicher Anlaufpunkt für Touristen wie Marbacher.
Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar: Die Neuausrichtung des seit 1959 alle zwei Jahre verliehenen Preises an Persönlichkeiten, die „in beispielhafter Weise den Denktraditionen Friedrich Schillers verpflichtet sind“, an Jens Reich hat deutlich gemacht, dass ein ethisch verantwortbarer Freiheitsbegriff in Sinne des Dichters auch heute noch möglich ist.
Veranstaltungsrückblick II: Subventioniertes und Koproduktionen
Performances made in Marbach: Das Marbacher Sommertheater „Shilla“ und die Rockoper „Das Lied von Schillers Glocke“ waren zwei theatral-musikalische Höhepunkte im Schillerjahr, die von in Marbach lebenden Künstlern initiiert und realisiert wurden. Die Stadt hat dieses Engagement und die Kreativität mit namhaften Beiträgen unterstützt und dadurch einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung der Projekte geleistet.
Friedrich-Schiller-Gymnasium Marbach: „Jeden Monat ein Event“ – so ging das FSG in das Schillerjahr und hat dies Versprechen auch gehalten. Eine eindrückliche Musical-Uraufführung und eine Theateraufführung waren ebenso darunter wie die hervorragend vorbereitete politische Diskussion mit kritisch-nachfragenden Schülern. Sie unterstützten auch die Schauspieler bei „Schiller sehen“ und beim 18.-Jahrhundertfest.
Tobias-Mayer-Schule, Anne-Frank-Realschule und Marbacher Grundschule: Dass Jugendliche dem Rap nah sind ist kein Geheimnis, doch die Schüler der Tobias-Mayer-Schule und der Anne-Frank-Realschule verbanden ihn kunstvoll mit Schiller und zeigten, wie nah er uns heute auch kommen kann. Alle Jahrgänge der Grundschule beteiligten sich am Schillerjahr: mit Spielen zum 18.-Jahrhundertfest, bunten Fahnen, dem Künstlerworkshop und der Vorbereitung der Feierlichkeiten zum Schillergeburtstag.
Schillerstadt verpflichtet: Dies Motto scheint die Marbacher Aktivitäten beflügelt zu haben. Die Stadtkapelle-Musikverein Marbach am Neckar e. V. und ein Projektchor der Chorvereinigung Liederkranz Marbach und des Chorverbandes Friedrich Schiller brachten die Neubearbeitung von Beethovens 9. Sinfonie für Blasorchester und Chor zur Uraufführung. Die Kirchen boten Diskussionen und Predigtreihen zu Schillerthemen an, Vereine versuchten „ihren“ Schillerbeitrag zu finden, ob im Fußballturnier oder im Tanz des 18. Jahrhunderts, Literaten und Künstler boten Veranstaltungen an und der Stadtmarketingverein präsentierte mit den gestalteten Schillerbüchern eine phantasievolle Auseinandersetzung mit moderner Kunst.
Deutsches Literaturarchiv Marbach, Literaturmuseum der Moderne: Die Veranstaltungen der Deutschen Schillergesellschaft von der Sonderausstellung „Autopsie Schiller“. Eine literarische Untersuchung“ im LiMo über Kammerkonzerte bis hin zur Tagung zu Theaterfra-gen waren für das Publikum im Schillerjahr 2009 eindrückliche Beiträge.
Das Jubiläumsjahr in Zahlen und Fakten
Budget: Das Schillerjahr 2009 war mit einem Etat von 580.000 Euro ausgestattet. Davon stellte die Stadt Marbach am Neckar 250.000 Euro bereit, und 190.000 Euro kamen über Sponsoren dazu. Knapp 140.000 Euro Einnahmen ergänzten das Budget das Jahres – dies lag in etwa bei den erwarteten Zahlen.
Die Unterstützer: Sponsoren und Förderer
Als Hauptsponsoren unterstützten die EnBW und die Kreissparkasse Ludwigsburg, als Co-Sponsor die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim das gesamte Schillerjahr 2009 in Marbach. Weiterhin wurden die Veranstaltungen mit einem namhaften Betrag von der Stiftung Kunst, Kultur und Bildung der Kreissparkasse Ludwigsburg gefördert. Die Stuttgarter Zeitung und die Marbacher Zeitung begleiteten das Jubiläumsjahr als Medienpartner. Sponsoren und Förderer einzelner Veranstaltungen bzw. Reihen waren die Landesstiftung Baden-Württemberg, die BBP Kunststoffwerk Marbach Baier GmbH, die Hainbuch Spannende Technik GmbH, die Daimler AG und die Stiftungen der Landesbank Baden-Württemberg. Außerdem unterstützen die Feierlichkeiten die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG sowie die Stiftung für Kunst und Wissenschaft der Hypo Real Estate Bank International AG.
Veranstaltungsstatistik: Von den insgesamt über 80 Veranstaltungen zum Schillerjahr 2009 in Marbach waren 58 städtisch organisiert. Allein dafür konnten rund 37.000 Besucher registriert werden – wobei das 18. Jahrhundertfest mit seinen 25.000 Besuchern einen wichtigen Beitrag zur positiven Statistik liefert, und an den 16 Veranstaltungen der Schillerlaube waren fast 3.500 Besucher auf dem Burgplatz. Schätzungsweise waren insgesamt im Schillerjahr 50.000 bis 60.000 Veranstaltungsbesucher in Marbach.
ReserviX-Ticketsystem: Im Schillerjahr hat die Stadt Marbach das ReserviX-Ticketsystem eingeführt, um den Besuchern einen leichteren und bequemeren Zugang zu den Eintrittskarten zu ermöglichen. Die überaus positive Resonanz der Besucher auf das Ticketsystem sowie Kartenbestellungen aus ganz Deutschland bestätigten die Entscheidung.
Sammlerstücke: Medaille und Sonderpostwertzeichen
Zu Beginn des Schillerjahres brachte die Firma Euromint Silbermedaillen und eine auf 400 Medaillen limitierte Goldserie zu Ehren des Dichters heraus. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen, sodass nach dem Ausverkauf der goldenen Exemplare zum Herbst hin weitere 1000 Goldmedaillen mit verändertem Motiv geprägt wurden. Die wertvollen Erinnerungsstücke werden über die Kreissparkasse Ludwigsburg vertrieben.
Am 12. November 2009 wurde durch das Bundesministerium der Finanzen die Sonderbriefmarke „250. Geburtstag Friedrich von Schiller“ in Marbach präsentiert. An einem Stand der Deutschen Post Philatelie war die Marke mit einem Ersttagsstempel und einer limitierten Klappkarte erhältlich.
Tourismus und Werbeeffekte: Marbach in der Welt
Marbach hat durch die zahlreichen Aktivitäten zum Schillerjahr, insbesondere auch durch die Wiedereröffnungen von Schillers Geburtshaus und dem Schiller-Nationalmuseum durch Ministerpräsident Günther Oettinger bzw. Bundespräsident Horst Köhler eine bundesweite öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Sie bot nationalen bis internationalen Medien Anlass zur Berichterstattung auch über die eigentlichen Ereignisse und Veranstaltungen hinaus. So stellte z. B. der „Stern“ Marbach in einer Reihe sehenswerter Kleinstädte in Deutschland vor. Sehr erfreulich war die ganzjährige und umfangreiche Begleitung der Feierlichkeiten in Marbach durch den SWR sowohl im Radio als auch im Fernsehen.
Eigene Werbemaßnahmen der Stadt konzentrierten sich vorwiegend auf Veranstaltungswerbung in der Region Stuttgart. Die einheitliche Gestaltungslinie transportierte sehr gelungen das Marbacher Anliegen und zog sich von Broschüren über die Homepage bis hin zu Fahnen und Anzeigen. Hauptwerbeträger waren neben der ausführlichen Website drei Programm-Magazine, die durch Flyer zu einzelnen Veranstaltungsreihen ergänzt wurden. Sie wurden jeweils auch an Schillerstädte in ganz Deutschland verteilt. Die Homepage des Schillerjahres soll noch einige Zeit als Rückblick im Internet zur Verfügung stehen.
Überregional wurde für das Schillerjahr in Württemberg über die Tourismusmarketing Baden-Württemberg GmbH geworben. Neben einer Veranstaltungsdatenbank im Internet und einer Anzeigenkampagne gehörte zu den Maßnahmen eine Pressereise im Frühjahr, in deren Rahmen zehn Journalisten in Marbach an einer Stadtführung teilnahmen, die neue Ausstellung im Geburtshaus und die Sonderausstellung „Autopsie Schiller. Eine literarische Untersuchung“ besichtigten.
An touristischen Kennzahlen gemessen knüpft das Schillerjahr 2009 beinahe an das Schillerjahr 2005 an. Die Stadtverwaltung zeigt sich zufrieden, war es doch nicht ohne weiteres zu erwarten, nach nur vier Jahren nochmals die Besucher in größerer Zahl zu aktivieren.
Ein ungewöhnliches Team: Die personelle Aufstellung aus einer Mischung von eigenen und externen Kräften unter der Leitung des Hauptamtsleiters, Thomas Storkenmaier, hat sich als erfolgreich erwiesen. Neben der Verpflichtung von Sabine Brandes als Künstlerische Leiterin, des Literaturbüros am Cottaplatz, einer Regisseurin und Fachkräfte für die Gestaltung und Ausstattung beim 18. Jahrhundertfest und der Werbeagentur Langenstein Communication GmbH hat auch die Verwaltung durch eine vorrübergehende Stellenaufstockung der Kulturstelle sowie durch die Einstellung eines Auszubildenden zum Kaufmann für Tourismus und Freizeit und einer Kraft im Rahmen des Freiwillig Sozialen Jahres (FSJ) – Kultur sowie mehreren Praktikanten eine Verstärkung erhalten. Besonders beim 18.-Jahrhundertfest war nahezu die gesamte Stadtverwaltung gefordert und im Einsatz. Darüber hinaus haben zahlreiche ehrenamtliche Kräfte die verschiedenen Aktivitäten unterstützt.
Ausblick: Machbares in Marbach
Das Schillerjahr 2009 war für die Stadt Marbach eine reizvolle Aufgabe, die Traditionen zu bewahren und sich zugleich als eine liebenswerte und den Künsten offene Stadt neu zu entdecken. Natürlich ist das Gedenken an Friedrich Schiller eine wichtige, auch als Standortfaktor zentrale Aufgabe. Das Engagement der Bevölkerung und ihr Spaß an der Sache zeigten aber, dass das kulturelle Interesse noch erhöht werden konnte und durch die große Gemeinschaftsleistung – vor allem beim 18.-Jahrhundertfest – eine besondere Marbacher Lebensqualität deutlich wurde. Man ist auf positive Weise stolz, ist bereit auch einmal etwas Neues zu wagen und identifiziert sich mit der Schillerstadt.
Schillers Geburtshaus war immer schon ein zentraler Anlaufpunkt für Touristen in der Stadt. Die Neugestaltung verbindet nun Originaltreue mit Modernität und ordnet das Gedenken an Friedrich Schiller und damit auch Marbach in einen großen Rahmen ein. Neben Schillers Geburtshaus wird die Innensanierung und die Ausstellungsneugestaltung des Schiller-Nationalmuseums gemeinsam mit dem Literaturmuseum der Moderne zentraler Grund für einen Besuch in Marbach sein – doch die Kreativität der Stadt hat nachdrücklich deutlich gemacht, dass hier zu Recht der Mittelpunkt des Gedenkens an Friedrich Schiller ist. In diesem Sinn soll auch versucht werden, das 18.-Jahrhundertfest als Marke weiter zu entwickeln. Die wiedereröffnete Nähstube, der gegründete Handwerkerchor und der Beginn für Planungen für ein Treffen der Marbacher Gewandeten in 2010 machen dies deutlich. Vielleicht kann das gesellschaftliche Engagement in einem Verein gebündelt werden, der die Weiterentwicklung Festes vorantreibt. Sponsoren könnten dies festigen.
Ein weiteres Ziel könnte sein, Veranstaltungsformate wie die erfolgreiche Schillerlaube wieder aufzugreifen und als Sommerfestival zu etablieren. Es ist ein Angebot für Marbacher wie Touristen. Durch die Verbindung von Wein und Kultur werden nicht nur die örtlichen Künstler unterstützt, sondern auch der Kulturreichtum der Region demonstriert. Auch könnte die Idee
der Open-Air-Lesung vor Schillers Geburtshaus in das Kulturprogramm aufgenommen werden.
Die Neugestaltung des Schillerpreises der Stadt Marbach bietet die Möglichkeit, in Zukunft auch über die Landesgrenzen wahrgenommen zu werden. Dies festigt wiederum die Bedeutung in der Region. Durch die drei Museen ist auch von einem längerfristigen Aufschwung des Tourismus auszugehen, nicht zuletzt durch den neuen Anziehungspunkt Schillerhöhe mit Museen, Stadthalle, Restaurant und Park.
Bild: Blumengruss der Grundschueler an Schillers Geburtstag.jpg
